Zeitung Heute : Comics für weiße Wände Wettbewerb „Kunst am Bau“: UdK-Student Sieger

Stina Hoffmann
Blick nach innen. Robert Patz plant für das Max-Delbrück-Centrum in Buch einen Comicstrip als Wandbemalung. Foto: Patz
Blick nach innen. Robert Patz plant für das Max-Delbrück-Centrum in Buch einen Comicstrip als Wandbemalung. Foto: Patz

Ultrahochfeld-Magnetresonanztomografie: Das Wort allein bringt einen ins Stocken – und die Funktionsweise des sogenannten Magnetresonanztomografen (MRT) an die Grenzen des eigenen Wissens. Wie sieht es wohl erst aus, wenn man versucht, sich künstlerisch mit dieser Technologie auseinanderzusetzen? Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin Buch hat Studierende der Kunsthochschule Weißensee und der UdK Berlin dazu in einem anonymen Wettbewerb im Rahmen des „Kunst am Bau“-Programms aufgefordert. Für den Forschungsneubau sollte ein Kunstwerk entworfen werden, das nicht nur die Architektur, sondern auch die Technologie des MRT berücksichtigt.

Alle drei Preisträger sind Architekturstudenten der UdK: Bastian Bayer, Michael Glowski und Robert Patz, dessen Entwurf „Comic vs Hitec“ nun verwirklicht wird. „Ich bin unter Medizinern aufgewachsen und außerdem äußerst technophil“, erklärt er sein Interesse an dem Wettbewerb. Gelöst hat er die Aufgabe auf originelle Weise: Er plant eine Wandgestaltung in der Art eines Comicstrips.

Man muss sich das Gebäude wie eine Zwiebel vorstellen, in deren Zentrum drei MRT-Scanner aufgestellt sind. Eine Stahlbetonhülle schirmt die starken Magnetfelder der Geräte ab. Büroräume und Treppenhäuser umgeben diesen Bereich wie eine zweite Schale. Außenwände und die Fassade bilden eine dritte und vierte „Haut“.

Patz vergleicht die Architektur mit der einer Pyramide: Auch hier ist das Wichtigste, die Grabkammer, durch angrenzende Räume und Gänge eingeschlossen. Und so wie die Wände in einer Pyramide den verstorbenen Pharao im Jenseits zeigen, will auch Patz die Innenwände mit einer Bildergeschichte bemalen, die sich mit der Forschung zur Magnetresonanztomografie auseinandersetzt. Auf diese Weise verbindet Patz elegant die Architektur mit der Forschung: Während sich die Wandgestaltung formal durch die Architektur begründet, geht das Comic inhaltlich auf die Forschung ein. Die Handlung soll sich um einen Protagonisten drehen, der den MRT-Scanner an sich ausprobiert und unsichtbar wird.

Ein Architekturstudent, der Kunst macht? Und dazu noch Kunst am Bau? Das klingt wie verkehrte Welt. Alexandra Ranner, Leiterin des Lehrstuhls für Plastische und Räumliche Darstellung, die das Projekt mit ihren Kollegen Dörte Meyer und Sebastian Nicolle betreut hat, findet es sinnvoll, Architekten als Künstler arbeiten zu lassen: „Kunst und Architektur gehören bei Kunst am Bau ja zusammen. Durch den Wettbewerb haben die Studierenden die Chance sich dem Thema von der Seite des Künstlers zu nähern.“ Auch Robert Patz sieht den Wettbewerb als gute Übung für das Berufsleben: „Der Eingriff in bestehende Architektur ist Alltag für Architekten. Der Respekt vor dem Entwurf des anderen ist daher selbstverständlich.“Stina Hoffmann

Alle Entwürfe des Wettbewerbs sind im 3. OG, Hardenbergstraße 33 zu sehen.

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