COMICVERFILMUNG„Iron Man 2“ : Gift im Herzen

Unter dem Maximum macht er es nicht: „Ich habe erfolgreich den Weltfrieden privatisiert“, prahlt Tony Stark bei einer Senatsanhörung und zeigt das Victoryzeichen. Das Publikum applaudiert, genau wie die verzückten Zuschauer seiner Show auf der gigantomanischen Expoausstellung. Iron Man Superstar!

Seit sich Milliardär Tony Stark am Ende des ersten „Iron Man“-Abenteuers als der Mann in der rot-goldenen Flugrüstung geoutet hat, kostet er seinen Status als umjubelter Weltretter in vollen Zügen aus. Sein Narzissmus ist dabei nur knapp von unerträglicher Arroganz entfernt. Doch wirklich übel nehmen kann man dem vor Witz sprühenden Tausendsassa auf Dauer nichts. Selbst Pepper Potts – neuerdings Chefin seines Konzerns –, die einigen Grund hätte ob seiner kindlichen Eskapaden die Geduld zu verliehen, liebt ihren Superhelden immer noch.

Ein Grund für Starks Verhalten ist unsichtbar: Der palladiumbetriebene Minireaktor in seinem Herzen vergiftet allmählich sein Blut – Iron Man ist ein sterbender Mann. Klar, dass er noch ein bisschen Spaß haben will. Den bekommt er bald aus einer völlig unerwarteten Richtung. Der russische Physiker Ivan Vanko, dessen Vater einst von Starks Vater betrogen wurde, will sich an ihm rächen und geht bei einem Autorennen mit Elektropeitschen auf ihn los.

Dieser Auftritt von Mickey Rourke als „Whiplash“ ist der erste Actionhöhepunkt der wieder von Jon Favreau inszenierten Comicverfilmung. Rourke wirkt wie ein verrückter russischer Cousin seiner „Wrestler“-Figur. Übersäht mir Tattoos und einem extremen Akzent ist er eine tolle Bereicherung der Serie, zumal der Überraschungseffekt, Robert Downey Jr. in einem Superheldenkostüm zu sehen natürlich aufgebraucht ist. So kommt die Montur auch gar nicht besonders häufig zum Einsatz. Iron Man operiert mehr am Boden als in der Luft.

Die optischen Reize dieses nicht gerade vor Spannung berstenden Films sind gut dosiert. Und sie verteilen sich auf mehr Personal als im Vorgänger. Die Starbesetzung hatte sichtlich Spaß bei der Arbeit mit dem wieder glänzend aufgelegten Robert Downey Jr. Seine Wortduelle mit Gwyneth Paltrow erinnern mitunter an seine Kabbeleien mit Jude Law in „Sherlock Holmes“. Ein bisschen zu kurz kommt hingegen Scarlett Johansson, die zwar viel mit ihren grünen Augen funkelt, aber erst am Ende richtig zuschlagen darf – im dritten Teil dann mehr. Solides Spektakel. Nadine Lange

„Iron Man 2“, USA 2010, 125 Min., R: Jon

Favreau, D: Robert Downey Jr., Mickey Rourke, Gwyneth Paltrow, Scarlett Johansson, Don Cheadle

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