COMICVERFILMUNG„The Amazing Spider-Man“ : Marvels Tierleben

Foto: Sony Pictures
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Selten wurde ein Film im Vorfeld so miesgemacht wie „The Amazing Spider-Man“. Die Ankündigung eines Neustarts jener Marvel-Comicadaption, deren drei bisherige, von Regisseur Sam Raimi betreute Kapitel nicht nur bei Fans und Kritik wohlgelitten, sondern auch mit 2,5 Milliarden Dollar Einspielergebnis enorm erfolgreich waren, löste in einschlägigen Internetforen fast einhellige Kritik aus.

Warum also ein Reboot? Von unvereinbaren Honorarvorstellungen war die Rede, zugleich bestand seitens der Produktionsfirma Handlungsbedarf wegen des drohenden Verlusts der Filmlizenzen, woraufhin Sony die alte Crew zugunsten eines billigeren Teams ausgebootet habe. Zudem wollte man mit einem jüngeren Spider-Man das nachgewachsene Teenagerpublikum ins Kino locken und die höheren Gewinnmargen der 3-D-Technologie abgreifen. Jede Menge unerfreulich materialistische Gründe und damit eine ziemliche Bürde, denn Comicfans sind in dieser Beziehung empfindlich.

Doch Überraschung: „The Amazing Spider- Man“ ist gut geworden, streckenweise sogar sehr gut. Die Geschichte um den Highschool-Außenseiter Peter Parker, der durch den Biss einer genmanipulierten Spinne übermenschliche Fähigkeiten erlangt, ist in wichtigen Punkten neu formuliert und mitreißend erzählt. Regisseur Marc Webb („(500) Days of Summer“) und seine Drehbuchautoren finden genau die richtige Balance zwischen tödlichem Ernst und jugendlichem Überschwang.

Der neue Hauptdarsteller Andrew Garfield ist mit 28 zwar älter als Tobey Maguire bei seinem Spinnendebüt vor zehn Jahren, aber man nimmt ihm den linkischen Teenager jederzeit ab. Zudem korrigiert der Film einen Geburtsfehler der alten Trilogie: Die erste große Comicliebe von Peter Parker war eben nicht die von Kirsten Dunst verkörperte Mary Jane Watson, sondern Gwen Stacy (Emma Stone), deren Vater als Polizeioffizier Jagd auf den selbst ernannten Verbrechensbekämpfer macht.

Mit dem Genforscher Curt Connors (Rhys Ifans), der eher unfreiwillig zu einem Echsenmonster mutiert, gibt es eine hinreichend erschreckende Bedrohung, und auch die persönliche Tragik, die Spider-Man zuverlässig umflort, kommt nicht zu kurz. Bliebe noch zu erwähnen, dass die 3-D-Technik den wunderbaren Netzschwinger-Choreografien des winzigen Spider-Menschleins im Hochhausmeer New Yorks tatsächlich neue Dimensionen erschließt. Prima Neustart.Jörg Wunder

USA 2012, 136 Min., R: Marc Webb, D: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Martin Sheen

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