COMICVERFILMUNG„The Dark Knight“ : Das Böse in dir

Christiane Peitz

Batman, der schwarze Ritter von Gotham City, ist diesmal gar nicht so wichtig. Ja, Christian Bale macht das wieder gut, das schizoide Hin und Her zwischen apokalyptischem Reiter und smartem Yuppie, dazu die Melancholie des Superhelden in der Krise, dem Butler Alfred (Michael Caine) und Technik-Meister Lucius Fox (Morgan Freeman) zur Seite stehen. Aber der eigentliche Held von Christopher Nolans zweitem Batman-Film heißt Joker. Der Teufel, wahrscheinlich: Es gab Bela Lugosi, es gab Marlon Brando, Klaus Kinski und Anthony Hopkins – und nun gibt es Heath Ledger, in der letzten großen Rolle vor seinem frühen Tod im Januar dieses Jahres.

Jack Nicholsons Joker (in Tim Burtons 1989er- „Batman“) war ein Dandy, ein Künstler, ein Ästhet. Ledgers Joker ist ein Meister des Chaos, Monster, Mephisto und Punk, absolut böse. Ein Clown mit verschmierter Schminke und vernarbtem Grinsen, ein Krustengesicht, verrottet wie die Welt, die es verlacht. Ein Souverän im Reich des Bösen, frei, absolut frei. Er kommt aus dem Nichts, er verspottet die Pläneschmieder, die Polizei (Gary Oldman als Commissioner Gordon), die Justiz (Aaron Eckhart als Staatsanwalt Harvey Dent) und Selbstjustizler wie Batman. Er plant nicht, er handelt und unterminiert mit seinem retardierten Singsang die Rasanz des Actionkinos. Anarchisch höhlt er jede Moral aus, indem er an die Terrorangst appelliert, die in den Hochhausschluchten von Gotham City (mit IMAX-Kamera in Chicago gedreht) nistet. Einstürzende Neubauten, Ground Zero – als Pyromane beschwört Joker Amerikas 9/11-Traumata.

Es sind viele Maskierte unterwegs in der korrupten Metropole: Clowns-Banden, Batman-Nachahmer, massenweise Doppel- und Wiedergänger. Die Guten sehen wie die Bösen aus, die Bösen wie die Guten, die ganze Welt ist Kopie, Karneval, Camouflage. Mit „The Dark Knight“ ist Christopher Nolan das derzeit seltene Kunststück gelungen, Popcorn-Kino und Philosophie zu vereinen. Am Ende hängt Joker in der Luft. Du kannst es dir nicht leisten, mich fallen lassen, sagt er zur Fledermaus. Batman und Joker: das Filmpaar des Jahres. Christiane Peitz

„The Dark Knight“, USA 2008, 142 Min.,

R: Christopher Nolan, D: Heath Ledger, Christian Bale, Maggie Gyllenhaal, Gary Oldman, Michael Caine, Morgan Freeman

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