Zeitung Heute : Computer als Kommissar

Wie die elektronische Fahndung die Ermittlungen verbessert hat

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Schon häufig wurde einem Verbrecher seine Stimme zum Verhängnis. Erpresser verstellen bei Telefonaten ihre Stimme oder verzerren sie elektronisch. Aber mit einigem technischem Aufwand lassen sich die Stimmen auf ihr Grundmuster reduzieren und – sofern vorhanden – mit dem Original vergleichen. Inzwischen können moderne Videoanlagen per Computer sogar Gesichter vergleichen. „Erkennt“ die Kamera anhand eines Vergleichsfotos einen Verdächtigen, löst sie automatisch Alarm aus.

Die kriminaltechnischen Abteilungen der Polizei spielen bei der Fahndung und der Aufklärung von Verbrechen eine zunehmend größere Rolle. Sie untersuchen Fingerabdrücke, Fußspuren, Textilfasern, Blut und Haarspuren, Dokumente oder Handschriften. Physiker analysieren Metalllegierungen von Tatorten, ein mikroskopischer Vergleich abgeschossener Patronen belegt, ob eine Kugel aus einer bestimmten Waffe abgefeuert wurde. In das Projektil werden beim Schuss winzige Unebenheiten aus dem Waffenlauf eingefräst – eine Spur, so zuverlässig wie ein Fingerabdruck. Beim Schießen verbrennt Pulver, dessen Rückstände sich als Schmauch beim Schützen niederschlagen. Ein „Schmauchspurentest“ beweist eindeutig, ob ein Verdächtiger eine Waffe abfeuerte.

Das Schlagwort vom „großen Lauschangriff“ beschwor vor wenigen Jahren noch die Furcht vor einem Orwellschen Überwachungsstaat mit dem Anzapfen von Telefonen, Setzen von Wanzen in Wohnungen, dem gezielten Abhören von Gesprächen über leistungsstarke Richtmikrofone bis hin zur Verfolgung über Peilsender oder gar Satelliten. Das jedem Wassersportenthusiasten oder Autofahrer mit Navigationssystem bekannte Global Positioning System (GPS) macht es möglich. Auch ein Mobiltelefon bietet keine Sicherheit. Ermittler können es nicht nur problemlos abhören, sondern sogar den Standort des Abgehörten auf wenige Meter genau bestimmen. Vor einem guten Jahr war es noch unmöglich, aus einem Haar ohne Wurzel durch einen Gen-Test die DNA eines Menschen zu erstellen. Dem Bundeskriminalamt (BKA) gelang der wissenschaftlich-technische Durchbruch. Innerhalb der letzten 15 Jahre wurde der Gen-Test bei den polizeilichen Ermittlungen wichtiger als die Daktyloskopie, die Suche nach und Untersuchung von Fingerabdrücken.

Die Identifizierung eines Menschen über Gebissspuren gilt kriminaltechnisch zwar als alter Hut, ist aber nach wie vor erfolgreich und gehört deshalb genauso zur Routine wie der Handschriftenvergleich. weso

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