Zeitung Heute : Computereinsatz in der Schule: Multimedial im Klassenzimmer

Claudia Wessling

Computer sollen in die Schulen - Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sind sich da einig. Bis Ende des Jahres will Berlins Schulsenator Klaus Böger alle Lehranstalten der Stadt vernetzt und mit Hardware ausgestattet haben. Doch wie sollen die teuren Geräte eingesetzt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das 6. Berliner "Kolloquium zur informatischen Bildung und zum Computereinsatz in der Schule", das in diesen Tagen an der Freien Universität stattfindet.

"Kontinuierliche Fortbildung und mehr Informatik-Unterricht sind die einzigen Antworten auf die Green-Card-Diskussion", sagte Schulsenator Böger zur Eröffnung der Veranstaltung, die sich vor allem an Berliner Lehrerinnen und Lehrer wendet. In Arbeitsgruppen und Tutorien diskutieren sie zwei Tage lang aktuelle Probleme des Computereinsatzes im Unterricht. Nicht nur technische Fragen sollen behandelt werden. Mit Computern in den Klassenzimmern soll schließlich nicht nur Informatik unterrichtet werden. Auch die anderen Fächer sollen Computerunterstützung erhalten. Die Erziehungswissenschaft müsse die Frage erforschen, wie sich die Qualität des Lernens durch Multimedia ändere, so Böger.

Einige Beispiele, wie man multimedialen Unterricht gestalten kann, wird das Kolloquium vorstellen. Deutschlehrer lassen ihre Schüler im Internet Sekundärliteratur recherchieren, Berliner Hauptschüler interessieren sich mehr für Mathe, seit sie die Aufgaben am Computer rechnen können - es gibt eine Reihe von Ansätzen, in denen Lehrer mit den Möglichkeiten experimentieren.

Damit der Rechner im Unterricht tatsächlich hilft und keine neuen Probleme schafft, müssen Lehrer bereit sein, sich kontinuierlich fortzubilden. Doch besonders ältere Pädagogen weigern sich oft, neben ihrem Job noch selbst die Schulbank zu drücken. "Heutzutage sollte es zum professionellen Selbstverständnis eines jeden gehören, sich ständig weiterzubilden", sagte Dieter Lenzen, Vizepräsident der Freien Universität. Die FU bietet am Fachbereich Erziehungswissenschaften bereits seit 1998 verschiedene Kurse, in denen Lehrer sich IT-Kenntnisse aneignen können. Zum Angebot gehört auch ein Ein-Jahres-Kurs, der Lehrer ausbildet, Informatik als Wahlpflichtfach an Real-, Gesamtschulen und Gynmnasien zu unterrichten.

"Wir können zur Zeit nicht jedem Bewerber einen Platz bieten", erzählt Werner Arnhold, der die Kurse seit 1999 plant und organisiert. Einmal in der Woche werden die Lehrer an der FU in die informatischen Grundlagen eingeführt. Das Interesse ist groß, obwohl die Fortbildungszeit nur zum Teil auf die Arbeitszeit angerechnet wird: Ungefähr 1000 Lehrer haben bislang die IT-Weiterbildungsangebote der Berliner Universitäten in Anspruch genommen, und nach dem Willen von Senat und Uni-Leitung sollen es mehr werden. Auch Lehramtstudenten sollen sich künftig schon im Studium informationstechnisches Know-how aneignen. Aber die Mittel sind knapp: "Im Moment fehlen uns einfach die Ressourcen, noch mehr Leute auszubilden", sagt Werner Arnhold.

Schulsenator Böger kann sich über so viel freiwilliges Engagement nur freuen. Viele Lehrer opfern ihre Freizeit nicht nur der Fortbildung, in zahlreichen Schulen obliegt ihnen auch die Pflege des schulinternen Netzwerks. Eine zeitraubende Tätigkeit "für Leute, die keine Familie haben und keine Freizeit brauchen," sagt Werner Arnhold, der an seiner Schule selbst das hauseigene Computernetz betreut. Jetzt will Böger die Netzwerk-Administration in professionelle Hände legen: "In den nächsten Wochen werden wir hier hoffentlich über einen Etat entscheiden." Die Wartung der Netzwerke soll jedoch dezentral von den Schulen selber organisiert werden, die Mittel sollen aus dem Etat des Senats für Hard- und Software-Ausstattung kommen. "Die einzelne Schule kennt ihre Bedürfnisse schließlich am besten", sagt Böger. Er hofft auf das Eigen-Engagement von Lehrern und Schulleitungen.

Während die Lehrer an pädagogischen Konzepten feilen, wie die neuen Medien im Unterricht zu nutzen wären, ist für die "Handy-Generation" der Computer schon lange so selbstverständlich wie das Telefon. Wie geübt Schüler die neuen Medien einsetzen, zeigen ihre Multimedia-Präsentationen und Webseiten im Internet. Um Schülern und Arbeitsgruppen die Gelegenheit zu geben, ihre kreativen Entwürfe der Öffentlichkeit zu präsentieren, hat der Tagesspiegel den "Schoolsite Award" ausgeschrieben. Bis zum 29. Oktober können Hobby-Webdesigner ab Klasse 7 ihre Entwürfe einschicken (interaktiv@tagesspiegel.de). Die zwölf Originellsten unter den eingereichten Seiten werden im Internet unter www.meinberlin.de und bei Interaktiv zur Wahl gestellt. Den Gewinnern spendiert der Tagesspiegel Prämien für eine Klassenfete.

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