Zeitung Heute : Computerkids: Computermesse auf der Wiesn

Holger Schlösser

Erst die Wiesn, jetzt die Systems. München rechnet auch bei der Herbstmesse der Computerbranche, die in diesem Jahr vom 6. bis 10. November stattfindet, mit einem neuen Besucherrekord. 140 000 Gäste, so die Hoffnung des Geschäftsführers der Messe München, Joachim Ensslin, werden den Weg zur Systems 2000 in die bayerische Hauptstadt finden und die Stände der etwa 3000 Firmen besuchen. Trotz des angepeilten Erfolgs bleibt München damit klar die "ewig zweite" deutsche Computerfachmesse. Anfang des Jahres pilgerten immerhin über 750 000 Menschen zur CeBIT nach Hannover, bei 7800 Ausstellern.

Im Fokus der Münchner Fachmesse stehen aktuelle Trends im elektronischen Handel. Zum E-Commerce des Internet gesellt sich dieses Jahr der M-Commerce, der Handel über Mobiltelefone oder Handheld-Computer. Mit dem Forum "Mobile Solutions" in der Telekommunikationshalle greift die Systems den Trend gerade noch rechtzeitig auf, schließlich wollen die Netzbetreiber im Spätherbst den Übertragungsstandard GPRS (General Packet Radio Service) einführen. Mit ihm ist es möglich, Daten bis zu einer Geschwindigkeit von 115 Kilobit pro Sekunde - der beinahe doppelten ISDN-Geschwindigkeit - aufs Handy zu übermitteln. Die Sonderschau soll erste Anwendungen für den kommenden Megamarkt aufzeigen. Ob Nachrichten, Tickets und Verkehrsinfos über WAP oder das Handy als Geldbörse - welche Trends und Business-Applikationen sich bei M-Commerce abzeichnen, steht ebenso im Mittelpunkt des Forums wie die technische Umsetzung in Form von Lösungen, Schnittstellen und Standards. In Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen werden dabei die Möglichkeiten und künftige Marktchancen der neuen Wertschöpfungskette diskutiert.

Auch die Datenschnittstelle Bluetooth ist hier ein wichtiges Thema, schließlich sollen künftig entsprechend ausgestattete Handys auch bargeldloses Bezahlen in Supermärkten, an Zapfsäulen oder Selbstbedienungsautomaten ermöglichen. Die Hersteller von Mobiltelefonen arbeiten bereits an eigenen Sicherheitsprotokollen für solche Online-Transaktionen. Auf der Systems können sich Fachbesucher über den aktuellen Entwicklungsstand der Bluetooth-Endgeräte informieren und die ersten serienreifen Prototypen ausprobieren. Insbesondere im Bereich Telecommunications, Networking & Convergence sind die neuen kabellosen Kommunikations-Experten zuhause.

Auch wenn die Übertragungstechnologie GPRS dem M-Commerce Vorschub leisten wird, den Durchbruch erwarten die Experten erst mit der dritten Mobilfunk-Generation UMTS. Einen ersten Blick auf diese Technologie lässt sich bereits heute auf dem Stand von Lucent Technologies werfen. Lucent zeigt in einer Simulation Multimediadienste wie etwa Videoübertragungen übers Handy. Die zugehörigen Endgeräte wie Smartphones, Handy oder Organizer stehen beispielsweise bei Nokia.

Ob mobiler Handel oder Internet-Handel - Voraussetzung für den Erfolg der neuen Geschäftsmodelle ist die Sicherheit der Kunden- und Firmendaten. Neben Programmen zum Aufbau von Online-Shops werden daher in München auch Lösungen für das Informationsmanagement und die Datensicherheit in Unternehmen vorgestellt. Firmen wie SAP, IBM oder Microsoft präsentieren hier ihre aktuellen Produkte und Dienstleistungen für den Internethandel.

Neben der etablierten Software-Industrie findet sich in München aber auch noch Platz für die eingeschworene Linux-Gemeinde. Wie schon im Vorjahr finden Messebesucher in Halle A3 den LinuxPark. Auf rund 2000 Quadratmetern gibt es hier Informationen und Angebote rund um professionelle Open-Source-Lösungen dieses alternativen Betriebssystems. Das beste Projekt wird erstmals mit dem "Linux New Media - Award" ausgezeichnet.

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