Zeitung Heute : Computerkids: Wenn Eltern nackten Tatsachen misstrauen

Klaus Angermann

Das Internet wird immer beliebter, aber nicht alle freuen sich über seine Inhalte: Vor allem Eltern sind zunehmend besorgt, wie einfach Heranwachsende Zugang zu Pornographie oder zu rechtsradikalen Seiten erhalten können. Nach einer Bertelsmann-Umfrage glauben fast zwei Drittel der Eltern, dass das Internet für Kinder Ungeeignetes enthält. Beinahe 80 Prozent wünschen sich eine Sperrung rechtsradikaler Inhalte, 60 Prozent verlangten dies bei Pornographie und Gewaltdarstellung. Hier möchte die Internet Content Rating Association (ICRA) ansetzen, die zusammen mit dem Bundeskriminalamt gerade eine rechtsradikale "Negativliste" umsetzt, die 2001 als Filter-Software kostenlos zu Verfügung stehen soll: "Wir wollen Eltern helfen, ihre Kinder besser vor rechtsextremistischen Inhalten im Internet zu schützen", sagt dazu der Erste Direktor des BKA, Leo Schuster. Doch wie können Kinder schon jetzt ohne Beaufsichtigung vom Besuch gefährlicher Homepages abgehalten werden?

Ein erster Schritt zum kindersicheren Heim-PC besteht in einschränkenden Benutzerprofilen, die den jüngsten Familienmitgliedern nur die Verwendung festgelegter Programme oder Festplattenverzeichnisse gewähren. Wer als Elternteil nicht als Systemadministrator fungieren will oder kann, sollte auf Software-Lösungen wie die PC-Kindersicherung von G Data (50 Mark) zurückgreifen. Einfach in der Bedienung erlaubt sie den Eltern, die PC-Benutzung der Jüngsten exakt einzugrenzen. Zeit, Dauer und Programmbenutzung werden genau eingeteilt und protokolliert - doch eine Kontrolle über die Ansteuerung jugendgefährdender Webseiten fehlt.

Wer möchte, dass die Kleinen nicht unkontrolliert herumsurfen, muss eine Lösung wie zum Beispiel McAfees Internet Guard Dog (100 Mark) ausprobieren. Das Programm legt nach dem ersten Start die Online-Zeiten fest, anschließend werden altersabhängige Profile ausgewählt und der PC vor unautorisierten Zugriffen auf persönliche Daten geschützt. Das Einstellen könnte etwas intuitiver gestaltet sein, die Optionsvielfalt gestattet dafür eine gute Anpassung an den jeweiligen Benutzer: Eltern können die Verbindungszeiten definieren oder den Zugang sperren. Zudem wird das beliebte Chatten gefiltert und das Kind vor gefährdenden Phrasen und Wörtern über Sexualpraktiken oder rechte Gewalt geschützt. Ist die Einstellungshürde überwunden, meldet sich die Sicherheitswarnung, sobald ein Programm auf das Internet zugreift. Zusätzlich zum Schutz privater Informationen wie Passwörter und einer Werbesperre liefert Guard Dog noch einen Virenscanner und blockiert auf Wunsch Cookies. In der Praxis funktioniert der Sittenwächter bei nicht allzu rigider Blockadestufe relativ gut, die maximale Sperre durch die Stichwortauswahl betrifft auch seriöse Seiten und blockiert auch vernünftige Inhalte.

Eine ähnliche Lösung gibt es von Symantec mit der Norton Internet Security 2001 Family Edition für 150 Mark. Unter der übersichtlichen Oberfläche finden neben der Kindersicherung ein Virenscanner, ein Werbeblocker und eine Firewall Platz. Auf diese Weise ist der PC gegen Angriffe von außen geschützt - aber wie sieht es mit sicherem Surfen in das weltweite Datennetz aus? Internet Security erlaubt die Einrichtung von Benutzerkonten, die individuell angepasst werden und auf vorgegebene Einstellungen aufbauen; kennt das Kind wie bei Guard Dog das nötige Passwort nicht, kann es den Status nicht ändern.

Blockiert wird nach Kategorien wie Kriminalität, Drogen, Sex oder Gewalt; die Liste der voreingestellten Sites wird genauso wie neue Virensignaturen für den Virenscanner aus dem Internet geladen und ist somit weitgehend aktuell. Möchten Eltern diesem Angebot alleine nicht vertrauen, dürfen auch eigenständig weitere Sites hinzugefügt werden, übervorsichtige Eltern können auch umgekehrt nur die zugreifbaren Inhalte angeben.

Die Bedienung des Programms gestattet es computerunerfahrenen Eltern, einen Schutz gegen jugendgefährdende Inhalte aufzubauen. Allzu sicher sollten sie sich nicht fühlen: Das Programm kann nur so wirksam sein, wie es Umfang und Aktualität der Kindersicherungsliste erlauben. Im Praxistest wurden in der Kinderstufe nicht immer rechtsradikale Seiten abgeblockt, dafür waren Websites mit pornographischem Inhalt wirksam vor Kinderaugen geschützt, gleiches galt für verschiedene Hackerseiten. Das Norton-Tool muss mit Informationen gefüttert werden und hinkt so theoretisch oft einen Schritt hinterher. Insgesamt hat Internet Security die elegantere Bedienung und den größeren Funktionsumfang, kostet aber auch etwas mehr. Totalen Schutz bieten beide Programme nicht; vieles wird unnötig oder gar nicht gesperrt und verunsichert dann umso mehr. Letztendlich sind die Eltern selber gefordert, um den Kindern einen verantwortlichen Umgang mit dem Medium Internet und seinen inhaltlichen Gefahren beizubringen - die Software kann dies nur unterstützen.

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