Zeitung Heute : Computerspiele: Dank Geldgeschenk: Gedaddel nach dem Fest

Klaus Angermann

Was machen mit den Geldgeschenken von Omas und Tanten? Die meisten Jugendlichen werden darauf sicherlich eine Antwort haben, aber gerade der Markt für Computerspiele ist selbst für die Freunde dieser Unterhaltungsform kaum noch zu überblicken. Die verwirrende Vielfalt reicht von niveaulosen "Big Brother"- oder Stefan Raab-Spielen über einfache, aber sehr beliebte Huhnabschießvarianten bis hin zu aufwendig programmierten 3D-Shootern, die nur auf schnellen Pentium III-Rechnern mit mindestens 800 MHz vernünftig laufen.

Fantasy-Spiele zum Beispiel sind durchaus wieder gefragt wie das Rollenspiel "Baldurs Gate II: Schatten von Amin" ( www.interplay.com/bgate2 ) zeigt. "Baldurs Gate" hat es in sich; ein 150-seitiges Handbuch ist nötig, um den Spieler durch die komplexen Abenteuer zu geleiten. Da ist allerhand Zeit für die Eingewöhnung notwendig, also weniger geeignet für ungeduldige Naturen. In "Baldurs Gate" dreht sich alles um Magie, Zaubersprüche sowie um Schwertkämpfe, Ritterburgen und böse Trolle. Untermalt wird die Story von einer atmosphärisch dichten Musik. Die Spieltiefe ist beeindruckend, aber auch fordernd.

Das gleiche "Abtauchen" gilt für das Strategiespiel "Command & Conquer: Alarmstufe Rot 2" ( www.electronicarts.de ), das derzeit die Hitliste der PC-Spiele anführt. Das Kriegsspiel "Alarmstufe Rot" ist ein was-wäre-wenn-Szenario: Der Spieler schlüpft entweder in die Rolle eines Offiziers aus der Sowjetunion oder der Alliierten, wobei als Gimmick die Alliierten Naturgewalten, die Sowjets hingegen Menschen mental kontrollieren können. Ein neuer Weltkrieg alter Mächte erfolgt, in die heutige Zeit versetzt. Ebenfalls sehr gut verkauft sich ein weiteres Kriegsstrategiespiel namens "Sudden Strike" ( www.cdv.de ), das allerdings im zweiten Weltkrieg ansetzt und dem Spieler ermöglicht, die Geschichte neu zu schreiben. Die Stärken von "Sudden Strike" liegen in den vielfältigen taktischen Möglichkeiten - auch hier sind lange Spielnächte vorprogrammiert. Das Ziel ist genreüblich bei beiden Spielen das gleiche: Es gilt, Stellungen zu erobern und sich somit strategische Vorteile und eine stärkere Position gegenüber dem Gegner zu verschaffen. Strategie muss aber nicht immer blutig daherkommen, wie es Aufbauspiele wie etwa die "Siedler 3" oder die "Sims" ( www.thesims.de ) beweisen. Die Spielidee ist ebenso simpel wie spannend: Es geht um den Aufbau eines Lebens im Zeitraffer, so etwas wie ein aufwendig programmiertes "Tamagotchi". Wer auf grafisch anspruchsvolle Spiele steht, wird mit diesen Games jedoch weniger glücklich.

Da lockt schon eher das Action-Genre beispielsweise mit Weltraumabenteuern wie dem in Kürze erscheinenden "Star Trek Deep Space Nine The Fallen" ( www.de.kochmedia.com ) oder "Star Trek Voyager - Elite Force" ( www.activision.de ). Aus den Fernsehserien bekannte Charaktere sorgen für ein sofortiges Wohlfühlen, und die optische Umsetzung besonders bei Voyager kann sich sehen lassen.

Spielen und Wohlfühlen - das gilt auch für das aktuelle "Tomb Raider"-Adventure ( www.eidos.de ), zumindest wer auch schon die Vorgänger durchgespielt hat, denn ansonsten sind Innovationen Fehlanzeige. Da könnte schon eher "Swat 3" ( www.sierra.de ) interessant sein. Das Spiel ist von allem etwas: Strategie, 3D-Shooter und gefährliche Gegner, gewürzt mit einem hohen Detailreichtum der Spielumgebung. Als Teil einer Spezialeinheit in Los Angeles 2005 müssen Ganoven dingfest gemacht werden - mit allen Mitteln. Einzig ein fehlender Mehrspielermodus enttäuscht, denn der muss als 54 Megabyte große Datei extra aus dem Netz geladen werden, aber ansonsten kommen 3D-Actionsfans auf ihre Kosten.

Aber auch Sporttitel laufen gut wie zum Beispiel das "NHL 2001" ( www.electronicarts.de ), das nicht nur eingefleischten Eishockey-Cracks gefallen dürfte. Dabei geht es - wie in diesem harten Sport üblich - ziemlich fix zur Sache, Übung ist daher vor dem Sieg angesagt.

Allerdings gilt für die meisten Spiele: Heutige Rechneranforderungen an aktuelle Computer-Games sind teilweise sehr hoch, meistens laufen Spiele unter einem Pentium II 300 ohne 3D-Karte kaum noch ruckelfrei. Daher sollte kein Spiel für Rechner gekauft werden, das unter den Minimalangaben des Herstellers liegt.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!