Zeitung Heute : Conni erledigen

Heike Jahberg

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann

Vielleicht kennen Sie das aus Ihrer Schulzeit. Gab es nicht auch in Ihrer Klasse dieses Mädchen, das einfach alles konnte? Die Hausaufgaben tiptop, der Vokabeltest astrein, die Klamotten immer schick. Und während unsereiner gegen das Ertrinken kämpfte, konnte „Miss Perfect“ auch noch 100 Meter am Stück kraulen, ohne aus der Puste zu kommen. Heute – gereift und abgeklärt – wissen wir, dass nichts so ist, wie es scheint, und das kleine Fräulein Wunderbar wahrscheinlich nachts ins Bett gepinkelt oder ihre Puppen zerstückelt hat. Früher aber hatten wir kein Mitleid mit der armen, vollkommenen Seele, sondern nur Neid, Hass und Missgunst.

Es muss kollektiver Masochismus sein, dass sich Eltern und Kinder jetzt wieder mit dem Perfekten messen. Conni heißt die Kleine, und ihre Heldentaten gehören zu den Verkaufsschlagern der Kinderliteratur. Conni kann einfach alles. Nach einem einzigen Schwimmkurs gelingt ihr, was Tom selbst nach vielen Einzeltrainingsstunden noch immer nicht vergönnt ist: Sie macht das Seepferdchen. Während Linda in ihrer Musikschule mit Klanghölzern hantiert und kryptische Bilder malt, kann Conni schon nach wenigen Unterrichtsstunden kleine Stücke komponieren und sie auch öffentlich aufführen. Kindergarten-Eingewöhnung? Kein Thema. Conni ist vom ersten Tag an everybody’s darling und würde den Kindergarten am liebsten gar nicht mehr verlassen. Und auch in der Schule fliegt ihr alles nur so zu. Selbst als sich das kleine Wunderfräulein das Bein bricht, ist sie tapfer und entlässt ihre Mutter schon bald vom Krankenbett. Sollten Tom und Linda mal in der Klinik landen, würden sie wahrscheinlich schon Rabatz machen, wenn wir nur kurz Kaffee aus dem Automaten holten.

Conni kann reiten, tanzen und Ski fahren. Und Connis Eltern? Die können eigentlich gar nichts. Und Connis Bruder Jakob? Der kann noch viel weniger. Wahrscheinlich liegt der Kleine jeden Abend im Bett und überlegt, wie er die große Schwester abmurksen kann. Vielleicht lockert er bei den nächsten Skiferien die Bindung oder gibt Connis Pony Drogen. Wir sind schon gespannt auf die nächste Nummer: „Conni im Himmel“.

Conni-Bücher gibt es in Spielwarenläden und Buchhandlungen.

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