Zeitung Heute : Contra Fachkräftemangel: Wirtschaft engagiert sich für interessanteren Mathe-Unterricht

Kultusminister und Wirtschaft werben bei den Jugendlichen für mehr Interesse am mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht. Die Wirtschaft sieht ihre Konkurrenzfähigkeit durch einen wachsenden Mangel an Fachkräften bedroht und verweist auf exzellente Einstellungschancen für Ingenieure und Informatiker.

Arbeitgeber-Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner rechnet damit, dass in Deutschland der Fachkräftemangel in den technischen Berufen auch auf Dauer erhalten bleibt. In den nächsten Jahren verlassen demzufolge nur jeweils 6500 Ingenieure die deutschen Hochschulen, bei einem Bedarf von 13 000. Nun sollen die Kultusminister dafür sorgen, dass der Unterricht in den entsprechenden Schulfächern interessanter und besser wird, so dass sich wieder mehr Schüler dafür entscheiden. Göhner: "Es muss voll cool, es muss fett werden, in Mathe mit guten Leistungen zu glänzen; und es sollte hip sen, wenn man als Schüler dafür aktiv etwas tut."

Der Arbeitgeberverband hat bei den Kultusministerien der 16 Länder abgefragt, wieviele Schüler an den naturwissenschaftliich-mathematischen Leistungskursen der Oberstufe teilnehmen. Dabei haben sie große Unterschiede festgestellt. Während in Mecklenburg-Vorpommern fast jeder zweite Abiturient den Leistungskurs Mathematik belegte, in Thüringen 44 Prozent und in Baden-Württemberg 36,3 Prozent, waren dies in Berlin nur 19 Prozent und in Hamburg 17,5 Prozent der Altersstufen.

Am beliebtesten unter den Naturwissenschaften war die Biologie. 60 Prozent der Abiturienten in Sachsen-Anhalt, 45,2 Prozent in Rheinland-Pfalz und 43,5 Prozent in Brandenburg belegten solche Leistungskurse. Schlusslichter waren hier Bayern (21,4 Prozent und Baden-Württemberg (14,4 Prozent). Die Physik erreichte mit maximal 15,3 Prozent der Abiturienten in Mecklenburg-Vorpommern und 14 Prozent in Sachsen-Anhalt die wenigsten Schüler. In Nordrhein-Westfalen waren dies noch 6,9 Prozent. Insgesamt belegten in Ostdeutschland deutlich mehr Abiturienten die anspruchsvollen Naturwissenschafts- und Mathematik-Leistungskurse als im Westen.

Der rheinland-pfälzische Kultusminister Jürgen Zöllner (SPD) kann inzwischen auf eine ganze Reihe von Förderinitiative zur Verbesserung dieses Unterrichts verweisen. So soll ein nach der Wissenschaftlerin "Ada Lovelace" benanntes Tutorinnenprojekt Mädchen in Technik und Naturwissenschaften ermutigen. Es beginnt in der Schule und wird an den Hochschulen in den ersten Semestern fortgesetzt. Zöllner wie auch die Vertreter der Wirtschaft sehen besonders bei den Mädchen Nachholbedarf im traditionell männlich geprägten Technikbereich.

Die Wirtschaft engagiert sich auch selbst für die Verbesserung dieser Unterrichtsfächer. "Excellence-Center" an zunächst 34 Gymnasien sollen besonders Begabte fördern und auch die Lehrer fortbilden.

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