Zeitung Heute : CONTRA von Suzan Gülfirat

Der Tagesspiegel

Eine Szene spielte sich auf der Potsdamer Straße ab, die wir täglich auch an anderen Orten sehen – und dann wegschauen. Eine junge Frau hat sich gerade Heroin gespritzt. Die Nadel hängt noch in ihrer Ader. Benommen hat sie sich an die Wand der öffentlichen Toilette auf dem Bürgersteig gelehnt. Die Menschen hetzen vorbei, kaum einer guckt. Solche Szenen können Fixerstuben uns vielleicht ersparen. Aber helfen sie den Betroffenen? Die Antwort auf diese Frage ist so offen, wie die Wirksamkeit der Droge Methadon, die angeblich Heroinabhängige retten soll. Jetzt steht also noch ein „Hilfsprogramm“ bevor.

Doch in den geplanten Fixerstuben sammeln sich die Abhängigen, eine gute Gelegenheit für die Drogendealer. Wer kann garantieren, dass sie nicht um die Ecke auf ihre Opfer warten? Die angeblichen Hilfsmaßnahmen nehmen zuweilen absurde Formen an. Die Süchtigen sollen in „Würde“ ihr Heroin konsumieren können und gleichzeitig mahnen Sozialarbeiter, dass es nicht genug Geld gibt, um allen Ausstiegswilligen zu helfen. Zu den Drogentoten sind in den letzten Jahren sogar türkische Abhängige dazugekommen. Fixerstuben sind eher ein Zeichen der Resignation. Nach dem Motto: Wir haben ohnehin schon alles versucht, nun versuchen wir das auch noch. Doch Eltern werden trotz Fixerstuben um ihre Kinder bangen. Wie kann man auch nur im Traum daran denken, wieder neues Geld in wieder neue Projekte zu stecken, solange es nur einen Abhängigen gibt, der aufhören will - und es findet sich kein Therapieplatz für ihn?

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar