Zeitung Heute : CONTRA

Der Tagesspiegel

Richtig, gesetzliche Gebote und Verbote dürfen nicht aus dem Rahmen der Lebenswirklichkeit fallen. Doch ebenso richtig ist, dass Vorschriften zum Schutz vor Gefahren da sind. Wer allen Wünschen freien Lauf lässt, schafft selbst fragwürdige Realitäten. Wie kommen Spitzenpolitiker dazu, Heranwachsenden einen Floh ins Ohr zu setzen? Mit der Idee, Grenzen aufzuheben, die sowieso überschritten werden, hilft man den Halbwüchsigen nicht, sondern fällt den Eltern in den Arm. Gewiss sind Jugendliche neugierig und schlagen gern über die Stränge. Das hat den Alten auch Spaß gemacht, als sie jung waren. Es war und ist nur kein Grund, diesen Drang fahrlässig zu fördern. Auch frühreife Kinder sind noch halbe Kinder. Sie sind ja so erwachsen, wenn es um darum geht, selbstbestimmt ihre Freiheiten auszuleben – und reine Kinder, wenn es um Pflichten, Verantwortung und Selbstschutz geht. Vierzehnjährige haben in der Disko und auf Zufallspartys nichts verloren, schon gar nicht spätabends, womöglich bis Mitternacht. Sie können Gefahren kaum abschätzen. Sie können leicht an falsche Kumpel geraten. Wer schützt sie dann vor Dämlichkeiten, vor Alkohol, Drogen oder gar tödlichem Unglück? Und ist der einsame nächtliche Heimweg etwa ungefährlich? Geraten sie unter die Räder, ist das Heulen und Zähneklappern groß. Dann sind die Eltern und überhaupt die Gesellschaft schuld. Dann macht sich alles zum Richter gnadenlos. Halbwüchsige beherrschen die Balance von Freiheit und Verantwortung noch nicht. Brigitte Grunert

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar