Zeitung Heute : CONTRA

Der Tagesspiegel

Keine Charterflüge mehr von Tegel, in die Ferien geht’s künftig nur noch von Schönefeld – eine Superidee. Für Geschäftsreisende. Die haben dann Tegel für sich. Kein Gewusele von Menschen in Trainingsanzügen mehr vor den Schaltern von Germania, Air Berlin und wie sie alle heißen. Richtig gediegen, ein echter Businessflughafen. Andere Städte haben auch separate Abfertigungshallen für die Prolls.

Auf die Idee, die Touristen vor die Tore der Stadt zu verbannen, kommt man nur in Berlin. Die Touristen haben’s nämlich. Erstens Zeit, weil nach Schönefeld zu kommen, erheblich aufwändiger ist als die Fahrt nach Tegel. Natürlich ist die S-Bahn schnell. Aber sind Sie schon mal im Regen mit Kindern und Gepäck die 600 Meter vom S-Bahnhof Schönefeld zu den Gates gelaufen? Freunde, die Sie mit dem Auto zum Flughafen bringen, werden Sie künftig auch nicht mehr finden, wenn das Ziel Schönefeld ist. Die Antipathie gegen einen Charterflughafen Schönefeld ist übrigens kein typisches Westberliner Ressentiment. Auch für große Teile des Nordostens und des Ostens von Berlin ist Tegel viel besser erreichbar als Schönefeld. Die Idee von der Vertreibung der Touristen aus Tegel ist also nichts weiter als der Versuch, auf Kosten der vermeintlich Schwächeren Platz zu schaffen. Mit Marktwirtschaft – der Kunde entscheidet – hat das nichts zu tun. Und deshalb werden die Fluggesellschaften diese Posse auch hoffentlich nicht mitmachen. apz

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