Zeitung Heute : Contra

Der Tagesspiegel

Unsere Kinder haben einen Anspruch auf gute Schulen. Deswegen ist es richtig und wichtig, Lehranstalten zu vergleichen und die Qualität des Unterrichts zu bewerten, wie es die Autoren der Pisa-Studie gemacht haben. Deren Ergebnisse sind erschreckend. Dass Pädagogen und Bildungspolitiker Konsequenzen ziehen müssen, steht außer Frage. Nicht richtig wäre es jedoch, die Studie als „Ranking“ zu veröffentlichen, damit sich Eltern künftig die besten Schulen herauspicken können. Erstens kann die Pisa-Erhebung die Frage, was denn eine „gute“ Schule ausmacht, nur teilweise beantworten. Denn empirisch messbarer Lernerfolg und gute Prüfungsnoten alleine sind noch lange kein ausreichendes Kriterium dafür, ob eine Schule auch pädagogisch gut ist. Zweitens gibt die Auswahl der rund 100 Berliner Schulen, die an der Studie teilgenommen haben, nur einen unvollständigen und vom statistischen Zufall geprägten Überblick. Vor allem aber stellt sich die Frage: Was wäre die Folge einer öffentlichen Bildungs-Hitliste? Die Antwort: Sie würde die ohnehin wachsende Kluft zwischen „guten“ und „schlechten“ Schulen schlagartig vergrößern. Denn jene Eltern, denen die Bildung ihrer Kinder am Herzen liegt, achteten künftig noch mehr darauf, ihre Sprösslinge bei einer Top-Schule unterzubringen. Das Nachsehen hätten die Kinder aus eher bildungsfernen Familien. Sie sammeln sich ohnehin schon in den Problemschulen. Mit einem Zwei-Klassen-Bildungssystem wäre aber auf Dauer niemandem geholfen. Lars von Törne

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0Kommentare

Neuester Kommentar