Zeitung Heute : "Cosmomusivo": Steinchen um Steinchen wie gemalt

Elfi Kreis

"Im Grunde kann man nahezu jede Oberfläche mit Mosaik überziehen" sagt Giuseppe Fornasari und Svenja Teichert nickt. Er tritt sogleich den Eigenbeweis nach Aschenputtelart an, dass im Prinzip wirklich (fast) alles geht: Sogar einen Schuh hat er schon mosaiziert, für den Fernsehausstatter und Kostümbildner Marianne Rosenbergs. Eins ihrer Wandbilder nach dem Entwurf des italienischen Künstlers Emilio Tadini fährt auf dem Luxuskreuzer "Victoria" um die Welt. Werke, an denen sie kunstvoll mit Hand anlegten, finden sich in der Kuppel der Grabkirche in Jerusalem wie in der New Yorker U-Bahn, Privatvillen nicht nur in Dresden und Luxuskaufhäusern in Bristol oder Wien. In Berlin sind besonders Restaurants auf den Geschmack gekommen: "Engelbrecht", "Ganymed", das "Ossena" und "Cena". Ab 500 Mark pro Quadratmeter bekommt man ein einfacheres Mosaik aus größeren, gleichförmigen Steinen. Kleinteilige, figürliche Mosaiken liegen um 2000 Mark und höher.

Mosaiken eignen sich traditionell für Wand und Boden. Sie sind ein Blickfang für die Küchenzeile, setzten im Badezimmer oder auf dem Balkon attraktive Akzente. Aber auch Springbrunnen, Tische, Bänke lassen sich so dekorieren. Die in Beton gegossene und avantgardistisch mosaizierte Gartenliege eines italienischen Designers, auch sie bietet eine Anregung. Mehr Kunden, die schon mal etwas Außergewöhnliches wagen, wünschen sich Fornasari und Teichert auch für Berlin.

Ein kleines Schild weist den Weg in den idyllischen Innenhof von "Cosmomusivo". Dass es aus vielen kleinen, farbigen Steinchen kunstvoll zusammengesetzt ist, versteht sich von selbst. Teichert und Fornasari gründeten dort vor vier Jahren ihr Mosaikatelier. Ringsum Arbeitsproben: Verschlungene Flechtband-, Wellen- und Mäandermuster nach antikem Vorbild. Rote Beerentraubenkugeln mit Glanzlichtern. Ein abstraktes Mosaik in zarten Beigetönen, das die überraschende Formenvielfalt der Steinchen von recht- oder dreieckig, quadratisch bis rund demonstriert. Auf dem Arbeitstisch liegt ein Mosaik, das ausnahmsweise nicht selbstgefertigt, sondern für den Regisseur und Maler Achim Freyer restauriert wurde. Restaurierungen oder Reparaturen alter Terazzoböden übernehmen sie für Zwischendurch.

Ihre eigentliche Profession aber fordert besonderes Geschick und handwerkliches Können: Marmor und Glassteinchen, die sogenannten "smalti" aus venezianischem Mosaikglas kunstvoll zu brechen. In den Regalen stehen sie in allen nur denkbaren Farben griffbereit sortiert, um aus ihnen Bildern zusammenzusetzen, die wie gemalt aussehen. Erst bei zwei Millimeter winzigen Steinchen musten sie einmal kapitulieren und griffen ideenreich zu Kieselsand fürs Aquarium. Die beiden haben den Umgang mit der "Martillina", dem rundgebogenen Mosaikhammer, von der Pieke auf gelernt. Kennengelernt haben sie sich (beruflich wie privat) an der "scoula mosaici del Friuli" in Spilimbergo. Drei Jahre dauerte die Ausbildung. In Italien gibt es nur zwei solcher Schulen, die andere ist in Ravenna.

Wir sitzen an einem aparten Gartentisch. Die Mosaikplatte zeigt zeitgemäß frei nachempfunden byzantinische Säulenkapitelle der Hagia Sophia in Istanbul. "Wir kommen durch unsere Ausbildung vom klassischen, römischen oder byzantinischen Mosaik her und finden von da aus zu modernen Entwürfen". Das lange etwas aus der Mode gekommene Mosaik, so die Erfahrung bei Cosmomusivo, ist in jüngster Zeit wieder zusehends gefragt.

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