Zeitung Heute : Countdown für Windows 2000

PETER ZSCHUNKE (AP)

Mehr als 11 000 Microsoft-Kunden in Deutschland erhalten in diesen Tagen die dritte Vorabversion von Windows 2000 zugeschickt. Damit beginnt die entscheidende Testphase des neuen Betriebssystems, das die Informationstechnologie (IT) im Unternehmen einfacher, sicherer und auch im mobilen Einsatz umfassend verfügbar machen soll. "Wir wollen die beste Plattform der IT-Landschaft auf den Markt bringen", sagte Ingo Blunck von der Microsoft-Geschäftsleitung in Deutschland bei der Vorstellung der "Beta 3" in München.Die Spekulationen über eine weitere Verzögerung des neuen Systems beschied Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner mit der klaren Aussage: "Windows 2000 geht im Oktober in die Produktion, so daß wir mit der Fertigstellung zwischen November und Dezember dieses Jahres rechnen können."Wegen der rasanten Entwicklung bei PC-Spielen und den dafür besonders wichtigen Grafikkarten wird es nicht wie ursprünglich geplant eine "Standard Edition" von Windows 2000 für Privatanwender geben: Der irgendwann im Jahr 2000 oder 2001 zu erwartende Nachfolger von Windows 98 setzt weiter auf einem 9x-Kernel auf, das heißt noch nicht auf dem Betriebssystem-Kern und dem Gerätetreibermodell von Windows 2000.Ähnlich wie beim Vorgänger Windows NT gibt es für Windows 2000 eine Arbeitsplatzausgabe (bisher: NT Workstation, künftig: Professional Edition) und mehrere Server-Versionen mit erweiterten Funktionen für Zentralrechner im Computernetz. In der "Advanced Server Edition" werden bis zu 64 Gigabyte Hauptspeicher und die Zusammenarbeit von maximal acht Prozessoren unterstützt. Damit werde auch die Simulation von komplexen Vorgängen mit riesigen Datenbeständen möglich, "wie sie heute noch zumeist dem Unix-Bereich vorbehalten ist", sagte Microsoft-Produktmanager Jürgen Za mit Blick auf den größten Konkurrenten im Bereich der Großunternehmen. Verschiedene Varianten des seit 1969 kontinuierlich entwickelten Betriebssystems Unix werden unter anderem von IBM und Sun Microsystems angeboten; auch das zunehmend auf kleineren Servern eingesetzte und kostenlos verfügbare Linux ist eine Unix-Variante.Im Wettbewerb um das meistbenutzte Betriebssystem im Unternehmen setzt Microsoft auf möglichst einfache Bedienung. Der Benutzer trifft an allen Stellen der Oberfläche auf Sprechblasen und erklärende Texte, die auch denjenigen Angestellten weiterhelfen, die noch nie in ihrem Leben etwas von einer "Netzwerkumgebung" gehört haben. Verglichen mit dem oft spröde zu bedienenden Windows NT fällt auch die Arbeit des Systemverwalters mit Windows 2000 erheblich einfacher aus.Die mehr als 2000 an der neuen Windows-Ausgabe beteiligten Entwickler schrieben allein für die "Professional Edition" rund 20 Millionen Zeilen Programmcode - einen Teil in der Programmiersprache C, einen anderen Teil in Assembler. Das neue System ist deswegen so umfangreich ausgefallen, weil es neben der einfachen Bedienung von Windows 95/98 auch die ständig wachsenden Anforderungen von Unternehmen erfüllen will. Herzstück dieser Funktionen ist das sogenannte Active Directory als Zentrale für alle wichtigen Daten im Unternehmen von der Personalführung bis zum Dokumentenmanagement.Wenn wichtige Systemdateien beschädigt werden, soll dies vom System automatisch erkannt und repariert werden. Neu ist auch ein verbessertes Dateisystem (NTFS 5.0), das die Verschlüsselung einzelner Dateien und Verzeichnisse erlaubt. In einem Firmennetz kann der Administrator den einzelnen Anwendern individuelle Quoten an Festplattenkapazität zuteilen. Sollte jemand dabei die persönliche Höchstgrenze überschreiten, kann er sich mit einer Runde Pinball trösten - das Flipperspiel, dem Vernehmen nach eines der beliebtesten Programme von Windows NT, ist auch beim Einstieg in die neue Windows-Generation weiter mit dabei.

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