Zeitung Heute : „Counterstrike“ kommt nicht auf den Index Bundesprüfstelle erkennt „keine verrohende Wirkung“

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Von Kurt Sagatz

Mehrere hunderttausend Fans der Kampfsimulation „Counterstrike“ können aufatmen. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hat das Computerspiel entgegen allen Erwartungen am Donnerstag nicht auf den Index gesetzt. Es habe sowohl Aspekte dafür als auch dagegen gegeben, teilte die Behörde in ihrer Begründung mit. Das Ergebnis ihrer Prüfung: „Das Spiel hat durch die Gesamtkonzeption in Verbindung mit Darstellung und Graphik gegenüber anderen Spielen, die in die Liste aufgenommen wurden, noch keinen Gefährdungsgrad erreicht, der eine Indizierung rechtfertigt“.

„Counterstrike“ gehört zum Genre der Actionspiele, genauer gesagt ist es ein so genannter „Ego-Shooter“, bei dem der Spieler sich selbst als Handelnden erlebt, das Geschehen also aus der Ich-Perspektive verfolgt. Ziel des Spiels ist es, Geiseln mit Hilfe von Elitetruppen aus der Hand von Terroristen zu befreien. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, bei denen der Spieler gegen den Computer antritt, kann „Counterstrike“ auch über das Internet oder lokale Netzwerke gespielt werden, wobei dann zwei „Clans“ aufeinander treffen.

In Verruf gekommen ist „Counterstrike“ vor allem nach dem Amoklauf von Erfurt. Die Polizei fand das Spiel auf dem Rechner des Attentäters Robert Steinhäuser. In ersten Reaktionen hatten Politiker wie der bayerische Innenminister Kurt Beckstein sowie Kanzlerkandidat Edmund Stoiber, aber auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement stärkere Verbote so genannter „Killer-Spiele“ gefordert. Die Fans hatten dem entgegen gesetzt, dass gerade „Counterstrike“ nicht zu der Gruppe Gewalt verherrlichender Spiele gehört.

Diese Einschätzung wird nun von der Bundesprüfstelle bestätigt. Sie attestiert dem Spiel: „Eine verrohende Wirkung ist nicht gegeben.“ Bei der Umsetzung der Actionszenen werde vielmehr weitgehend auf Effekthascherei verzichtet, bei der akustischen Animation sogar vollständig. Überraschend kommt die Entscheidung auch, weil die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle USK, ein von der Computer- und Videospiele eingerichtetes Gremium, bei ihrer Untersuchung der amerikanischen Version von „Counterstrike“ zu dem Ergebnis gekommen war, diese erst ab 18 Jahren freizugeben. Anders als die Indizierung durch die Bundesprüfstelle hat diese Empfehlung jedoch keinen bindenden Charakter.

Die Bundesprüfstelle, die „Counterstrike“ mit ihrem zwölfköpfigen Gremium begutachtet hat, machte gestern jedoch auch deutlich, dass „Counterstrike“ keineswegs in die Hände von Kinder und jüngeren Jugendlichen unter 16 Jahren gehört. Diese Spieler, die auf der Suche nach einem „differenzierten Norm- und Wertesystems“ sind, könnten durch die kampforientierte Spielehandlung negativ beeinflusst werden. Dennoch entschied sich die Bundesprüfstelle gegen ein generelles Verbot für Jugendliche, vor allem wegen der weitreichenden Rechtsfolgen – beispielsweise für die LAN- Partys, von denen es jeden Monat ein halbes Dutzend mit bis zu 2000 Teilnehmern gibt.

Die Entscheidung der Bundesprüfstelle, die sich nicht durch die Debatte nach Erfurt, sondern vom Jugendschutzgesetz leiten ließ, hat selbst die Videospiele-Industrie überrascht. Hermann Achilles, Geschäftsführer des Verbandes der Unterhaltungssoftware Deutschland, sagte, er habe dies so nicht erwartet. Nach seiner Einschätzung sollten die Hersteller der Computer- und Videospiele aus der Gewaltdebatte, die auch in den USA wieder stärker geworden ist, den Schluss ziehen, den inhaltlichen Schwerpunkt der Spiele weniger auf Gewalt als auf andere Dinge wie die Spieltaktik zu legen. Unabhängig davon sei es wichtig, die Medienkompetenz zu stärken und den Umgang mit problematischen Inhalten aller Art zu lehren und dabei Hilfen anzubieten.

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