Zeitung Heute : Coventry will weiterhin das Nagelkreuz

Der Tagesspiegel

Potsdam. Der Superintendent der evangelischen Kirche Potsdam, Bertram Althausen, hat Presseberichte zurückgewiesen, wonach der Internationale Direktor der Versöhnungskathedrale Coventry, Andrew White, die Potsdamer Kirche beim Streit um den Wiederaufbau des Garnisonkirchturms zum Kompromiss aufgefordert hat. Bei seinem Potsdam-Besuch am 16. März habe White dem Kirchenkonzept eines Internationalen Versöhnungszentrums im wiederaufgebauten Garnisonkirchturm „die volle Unterstützung zugesagt“, sagte Althausen gestern. Eine offizielle Aufforderung Whites an die Kirche, auf die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel zuzugehen, „hat es mir und auch anderen Anwesenden gegenüber nicht gegeben“.

Die evangelische Kirche hatte nach jahrelanger kontroverser Diskussion im vergangenen Jahr ein Konzept verabschiedet, dass einen weitgehend originalgetreuen Wiederaufbau des Kirchturms vorsieht - anstelle der Wetterfahne soll jedoch das Nagelkreuz der Versöhnungskirche Coventry als Symbol der Auseinandersetzung mit den Widersprüchen der Geschichte des Ortes installiert werden. Im Innern ist neben einer City-Kirche ein Zentrum für Internationale Versö hnungsarbeit geplant. Das Konzept „The spirit of change - Veränderung ist möglich“ war im Januar von den Potsdamer Stadtverordneten mit großer Mehrheit befürwortet worden.

Die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel, die über fünf Millionen Euro für den Wiederaufbau des Turms gesammelt hat, lehnt das Kirchenkonzept ab und besteht auf einem originalgetreuen Wiederaufbau des Garnisonkirchturms und eine ausschließlich kirchliche Nutzung des 1735 vollendeten und 1968 zerstörten Bauwerks.

Unterdessen wurde bekannt, dass das für den 13.April anberaumte erste offizielle Treffen zwischen der Traditionsgemeinschaft und der evangelischen Kirche – entgegen frü heren Planungen – ohne Vertreter des Landes und der Stadt Potsdam stattfinden soll. Es gäbe „erhebliche Probleme“ bei der Vorbereitung des Treffens, sagte ein Sprecher von Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), der von der Stiftung Preußisches Kulturerbe als Schirmherr für den Wiederaufbau des Garnisonkirchturms benannt wurde. Althausen sagte, es sei „überhaupt schon etwas Wertvolles“, dass sich beide Seiten treffen würden. Nach dem Gespräch im Kaminzimmer des Amstssitzes von Althausen wolle man versuchen, gemeinsam die Öffentlichkeit zu unterrichten. Althausen geht davon aus, dass sich bis zum 13. April kein neuer Sachstand ergeben werde. Ein jetzt bekannt gewordener Kompromissvorschlag des früheren Berliner Polizeipräsidenten Georg Schertz, der das Nagelkreuz im Innern der Kirche aufstellen will, sei „überhaupt nichts Neues“. Michael Erbach

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben