Crowdinvesting : Wie sich Start-ups vom Internetschwarm finanzieren lassen

Neben dem Crowdfunding wächst ein weiterer Zweig der Internet-Finanzierung, das Crowdinvesting. Dabei stecken Nutzer Geld in ein Unternehmen, entweder als Darlehen oder indem sie Anteile erwerben.

Das Start-up tame.it
Das Start-up tame.itFoto: picture alliance / dpa

Eine neue Platte, ein technisches Spielzeug oder gleich ein ganzer Hollywoodfilm: Im Internet können Kreative für die Realisierung ihrer Ideen das notwendige Geld einsammeln. Der digitale Klingelbeutel wird auf Plattformen wie kickstarter.com oder startnext.de mitunter äußerst erfolgreich herumgereicht. Fans finanzieren dort die Filmversion ihrer Lieblingsserie oder geben Techniktüftlern die Mittel, damit sie eine Computeruhr bauen können.

Ohne den Vorschuss der „Crowd“, des Nutzerschwarms, könnten die Vorhaben nicht umgesetzt werden. Als Dankeschön erhalten die begeisterten Geldgeber Sonderausgaben der Produkte oder können ihre Namen im Filmabspann wiederfinden.

Doch nicht nur Künstler und Technik-Fans gehen im Internet auf Sammeltour. Neben dem Crowdfunding wächst ein weiterer Zweig der Internet-Finanzierung, das Crowdinvesting. Dabei stecken Nutzer Geld in ein Unternehmen, entweder als Darlehen oder indem sie Anteile erwerben. Zumeist sind es Jungunternehmen, die im Netz um Anleger buhlen. Die meisten Firmen „sind vielleicht ein Jahr auf dem Markt“, schätzt Dana Melanie Schramm von Seedmatch, einer deutschen Plattform, die Unternehmen und Kleinanleger zusammenbringt.

Crowdinvesting ist ein Thema bei Privatanlegern geworden

Seedmatch gibt es seit August 2011, Seiten wie Bergfürst oder Innovestment setzen auf ähnliche Dienste. „Es ist neu und kommt bei uns erst seit maximal zwei Jahren auf“, sagt Annabel Oelmann, Leiterin des Bereichs Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Mittlerweile sei Crowdinvesting ein Thema bei Verbrauchern.

Für die Unternehmen funktioniert das ähnlich wie eine Finanzierungsrunde mit Wagniskapital – mit dem Unterschied, dass das Geld nicht von einigen spezialisierten Investoren kommt, sondern von einer großen Zahl an Kleinanlegern. Geht die Firma pleite, ist auch die Investition futsch. „Es ist halt Risikokapital“, sagt Schramm.

„Die Renditen sind aber auch dementsprechend.“ Bei Seedmatch sammelten die bisher 47 finanzierten Projekte im Durchschnitt eine Viertelmillion Euro ein, der Rekord liegt bei einer Million. Inzwischen hat Seedmatch eine Finanzierungsseite speziell für grüne Projekte gestartet.

Urbanara will drei Millionen Euro einsammeln

Mit der Bekanntheit des Prinzips Crowdinvesting wachsen auch die Summen. Benjamin Esser etwa will für seine Firma Urbanara fast drei Millionen Euro einsammeln. Urbanara verkauft Heimtextilien und Möbel im Netz, am Berliner Sitz des Unternehmens sind Decken und Kissen wie zufällig über ein großes Holzbett drapiert. Doch schicke Kissenbezüge gibt es im Internet sprichwörtlich an jeder Ecke. Deswegen sieht Esser die Schwarmfinanzierung auch als Möglichkeit, die neuen Teilhaber enger an die eigene Marke zu binden. „Das ist der Grund, warum wir uns für dieses Crowdinvesting entschieden haben“, sagt er. Oft suchten Anleger sich Firmen aus, die ihnen persönlich nahestünden, sagt Verbraucherschützerin Oelmann. „Da hängt auch etwas Emotionales dran.“ Investoren sollten vorher unbedingt sicherstellen, dass das Unternehmen und die Internetplattform, die die Investition vermittelt, seriös sind. „Das ist überhaupt nicht einfach“, gibt Oelmann zu. „Häufig muss man sich da auf Erfahrungswerte anderer einlassen.“ Verbraucher sollten prüfen, welche Art der Investition angeboten wird – und „nie etwas kaufen, was sie nicht verstehen“.

Esser will mit dem Geld der Internetinvestoren mehr Produkte anbieten und in weitere Länder expandieren. Urbanara gibt es seit 2011, insgesamt 4,3 Millionen Euro habe die Firma bereits an Wagniskapital von Investoren einsammeln können, sagt der Mitgründer. Gleichzeitig ist ihm klar: „Wir sind keine Siemens-Aktie und wir sind auch keine deutschen Staatsanleihen. Wir sind immer noch ein Investment in ein junges, stark wachsendes Unternehmen.“ dpa

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