Zeitung Heute : Cyber-Kojak (Glosse)

Markus Ehrenberg

Einsatz in Manhattan. Anruf bei der Bit-Polizei. Das Rathaus. Ein Computervirus. Alle Dateien gelöscht. Kojak schmeißt den Lolly in die Ecke. Schon wieder ein Hacker. Schon wieder ein Dummkopf, der eine verdächtige E-Mail geöffnet hat! Draußen wartet der Einsatzwagen. Der Motor heult. Aber wohin?

Die philippinischen Beamten haben ihre liebe Mühe, den Urheber des "I-love-you"-Virus zu finden. Das ging schon mit dem richtigen Namen los. Ramones sollte der Hacker heißen. Dann Romel oder Reomel. Jetzt wird ein gewisser Onel de Guzman gesucht, der uns die Milliardenschäden an die Backe gemailt hat und Pressekonferenzen gibt. Innenminister Otto Schily mag sich das nicht mehr anschauen. Alles soll besser werden: internationales Strafrecht gegen Kriminelle im Internet, eine Plattform der Staatengemeinschaft. Am besten eine Bit-Polizei, aber etwas schneller als die auf den Philippinen. Nur wo, wann soll sie eingreifen?

Stichwort Prävention. Alles, was ein Hacker macht, ist normale Programmierertätigkeit. Erst beim Abschicken der bösen E-Mail ist Gefahr im Verzug. Will man das Hacken verbieten, dann müsste man alle Programmiersysteme verbieten. Stichwort Strafverfolgung. Gut, es gibt Spuren im Internet. Aber wie durchschlagskräftig kann eine Bit-Polizei sein, wo sich eine Handvoll Hacker Zugang zu Hunderten von Fremdrechnern im Millionenheer der Internet-Nutzer verschaffen können?

Das eigentliche Sicherheits-Problem ist der Internet-Nutzer. Wer in Frankfurt (Oder) seinen BMW abstelle, handelt fahrlässig. Der kann nicht fordern, dass die Polizei seinen Wagen bewacht. Wer E-Mails mit unbekanntem Absender öffnet, oder geheime Daten unverschlüsselt verschickt, der handelt fahrlässig. Dem hilft keine Bit-Polizei. Als Reaktion auf die Virusattacke wollen 39,5 Prozent der Unternehmen ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöhen. Das ist ein Anfang. Kojak brauchen wir nicht. Noch nicht.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar