• Cyberwar: "Verwundbarkeit wird weiter zunehmen" - Interview: Der Bundeswehr-IT-Direktor und die High-Tech der Truppe

Zeitung Heute : Cyberwar: "Verwundbarkeit wird weiter zunehmen" - Interview: Der Bundeswehr-IT-Direktor und die High-Tech der Truppe

Was genau macht ein Direktor für Informations

Klaus Hahnenfeld ist IT-Direktor bei der Bundeswehr. Für 1,5 Mrd. Mark im Jahr bringt er die High-Tech der Truppe auf Vordermann.

Was genau macht ein Direktor für Informationstechnik bei der Bundeswehr?

Er muss dafür sorgen, dass die Bundeswehr mit Informationstechnik ausgestattet wird. Mit Ausstattung ist auch die Bereitstellung von IT-Dienstleistungen im Rahmen von Provider- und Betreiberlösungen gemeint, also nicht nur die "klassische" Entwicklung und Beschaffung von IT-Systemen.

Probt die Bundeswehr den Cyberwar?

Ich weiß nicht, was Sie unter "Cyberwar" verstehen. Wir verwenden in der Bundeswehr den Begriff "Informationsoperationen". Wir analysieren mögliche Bedrohungspotenziale, entwickeln aber auch Fähigkeiten zum Schutz der Streitkräfte vor den spezifischen Gefährdungen bei der Nutzung moderner Informationstechnologie.

Ist der Auftrag der Bundeswehr wirklich nur noch der gegen eine Verteidigung eines Angriffs von außen? Stichwort Hacker-Angriffe. Die können von überall kommen, Inland, Ausland ...

Der Auftrag der Bundeswehr, Deutschland und seine Staatsbürger vor äußerer Gefahr zu schützen, gilt unverändert. Für die innere Sicherheit ist das Bundesministerium des Inneren verantwortlich. Unabhängig davon hat die Bundeswehr schon immer ihre eigenen IT-Systeme gegen Viren und Hackerangriffe geschützt.

Die Gefahr eines virtuellen Angriffs scheint vielen fast größer zu sein als die eines "herkömmlichen" Angriffs.

Bisher sind in Deutschland keine nennenswerten IT-Angriffe auf kritische Infrastrukturen bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass IT-bedingte Verwundbarkeiten und Angriffsoptionen in den kommenden fünf bis zehn Jahren weiter zunehmen werden. Es wäre jedoch reine Spekulation, über die Eintrittwahrscheinlich eines virtuellen Angriffs zu reden oder gar den von Ihnen angesprochenen Vergleich zu ziehen.

Wird genug dagegen getan?

Wir sind uns in Deutschland dieser Gefahr bewusst, und es werden vielfältige Anstrengungen unternommen, ihr zu begegnen. Beispiele dafür sind die Task Force "Sicheres Internet" im Bundesinnenministerium. Es ist geplant, für die Bereiche Behörden, Wirtschaft und Wissenschaft je ein Computer Emergency Response Team (CERT) einzurichten, um auf übergreifende Angriffe rasch und koordiniert reagieren zu können. Das CERT für die Behörden wird beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik aufgebaut. In anderen Staaten, wie USA, Großbritannien und Frankreich werden ähnliche Aktivitäten verfolgt, und wir tauschen mit diesen Staaten unsere Erfahrungen aus. Ob nun wirklich genug getan wurde, wird man feststellen, wenn ein IT-Angriff tatsächlich stattgefunden hat. Ein Restrisiko wird immer bleiben; wir müssen nur dafür sorgen, dieses so klein wie möglich zu halten.

Was halten Sie von einem virtuellen Schutzschild, wie ihn die USA planen?

Wir sollten auf dem Weg zu einem "virtuellen Schutzschild" zunächst handfeste Maßnahmen ergreifen, um unsere wichtigen Infrastrukturen gegen IT-Angriffe zu schützen. Dazu sind wir auf einem guten Weg.

Und was ist mit einem gemeinsamen Datenschutzschild für die vernetzte Welt?

Die globale Vernetzung und die grenzüberschreitende Abhängigkeit von Infrastrukturen wie Telekommunikation oder Strom erfordern zum Schutz unserer Infrastrukturen auch internationale Kooperation. Wir stehen dazu mit anderen Nationen in Kontakt und werden die Zusammenarbeit intensivieren.

Was ist mit Ihrer Sicherheit im Internet? Sind Sie persönlich schon mal gehackt worden? Verschlüsseln Sie Ihre E-Mails?

Ich hatte noch keine Hackerangriffe feststellen können. Ich hoffe, ich bleibe auch davon verschont. Bei dienstlichen Angelegenheiten halte ich mich selbstverständlich an die bei uns geltenden Vorschriften, dazu zählt auch, dass E-Mails mit entsprechendem Inhalt zu verschlüsseln sind. Im Privatbereich bin ich ab und zu etwas undiszipliniert, was die Verschlüsselung von E-Mails angeht - vielleicht deshalb, weil ich im privaten Bereich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht habe.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar