Zeitung Heute : D-Mark loswerden

Wie eine Partygängerin Berlin erleben kann

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Haben Sie noch ein paar Markmünzen in der Tasche, die Sie vergessen haben abzugeben? Es gibt einen Ort in Berlin, wo man seine Münzen noch loswerden, oder, wenn’s denn sein soll, auch Euro in DM umtauschen kann. Der Automaten e.V. hat einige alte Automaten vor der Verschrottung gerettet und sie in die „Automatenbar“ gestellt. Der Verein gründete sich mit dem Ziel der „Erhaltung der Automatenkultur und der Förderung der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Automatisation“.

Der gemeine Münzautomat hat ja eine lange Kulturgeschichte hinter sich. Als Insignie der Industrialisierung hat er wohl alles verkauft, was nicht schnell schlecht wird und eine bestimmte Größe nicht überschreitet: von Streichhölzern, Flickzeug, Erdnüssen, Kaugummis, Zigaretten, Büchern bis hin zu Kondomen. Außerdem können Menschen an Münzautomaten vielerlei Dinge tun: telefonieren, flippern, das Gewicht messen, wahrsagen lassen.

Einiges davon lässt sich jetzt in der Automatenbar, dem Vereinsheim des Automaten e.V. tun bzw. kaufen. Es gibt Schokolade oder Kaltgetränke zu günstigen DM-Preisen, und frisch gebrühten Kaffee gibt es auch. Hierzu bringen Sie am besten Ihren Laptop mit, damit Sie den DSL-Zugang nutzen können, während Sie ihren Lieblingssound aus der Jukebox hören. Verschiedene Sets von prominenten Berliner DJ’s stehen zur Wahl. Obendrein können Sie sich aus der Video-Jukebox die passenden Bilder aussuchen, die dann automatisch (wie sonst?) über die Monitore flimmern. Sie können es sich also richtig gemütlich machen. Und wenn Sie sich in eine passende Position gebracht haben, können Sie auch die automatische Videoüberwachung überwachen.

Die Automatenbar ist täglich 24 Stunden geöffnet, man muss allerdings Vereinsmitglied werden. Dann bekommt man eine Magnetkarte, mit der die Bar jederzeit zugänglich ist. Und das für nur 23 Euro Jahresbeitrag. Also los: Retten Sie die Automatenkultur! Und wer weiß, vielleicht wird ja demnächst DJ-i-Robot gebucht. Das ist ein DJ-Automat, der letztes Jahr seine ersten Auftritte während der Transmediale im WMF hatte. Mit zwei Greifarmen kann er drei Plattenspieler gleichzeitig bedienen; das vermag ja sonst nur Jeff Mills.

Damit das Wochenende aber nicht allein von Automaten bestimmt wird, hänge ich noch einen richtigen Raver-Veranstaltungstipp an: Heute sind die Begründer von Break Beat und Jungle in der Stadt. Die Londoner Shut Up and Dance schrieben Anfang der neunziger Jahre Musikgeschichte mit ihrem Cut-and-Paste-Hit „I‘m raving I‘m raving“. Leider hatten die Jungs vergessen, sich die Rechte für den Mark-Cohn-Song „I‘m walking in memphis“ zu sichern – und so waren sie und ihr gleichnamiges Label lange Zeit weg vom Fenster. Es ist bestimmt sehr spannend, ob sie heute, nach dem Prozessmarathon, noch etwas von ihrer früheren, jugendlichen Energie rüberbringen werden. Big up! Christine Lang

Automaten e.V., Münzstr. 21, Berlin Mitte. E-Mail: info@automatenbar.de . Mehr über DJ-I-Robot: www.dj-i-robot.com . Heute ab 23.30 Uhr: PJ & Smiley aka Shut Up and Dance, DJ‘s Kor, Copasetic. ICON, Cantianstr. 15

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