Zeitung Heute : Da baut sich was zusammen

Zahlreiche Bauvorhaben verwandeln derzeit das Erscheinungsbild der City West

Cay Dobberke

Um den Breitscheidplatz muss die übernächste Lange Nacht des Shoppings im Oktober wahrscheinlich einen großen Bogen machen und die Hauptbühne andernorts aufbauen. Denn die seit Jahren geplante Neugestaltung des Platzes rückt nach Tagesspiegel-Informationen näher: Der Umbau könnte im Spätsommer bis Herbst beginnen. Die Entscheidung soll Ende April nach einer Besichtigung fallen, die Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) und der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) vereinbart haben. Die Zeit wird allmählich knapp, denn bis zur Fußball-WM 2006 soll der Platz in neuem Glanz erstrahlen.

Zunächst wird laut Stadtrat Gröhler die Südseite umgestaltet. Einige Einzelheiten stehen allerdings noch nicht fest. Gröhler will die alten Holzbänke durch neue Modelle ersetzen, doch um deren Design soll es erst bei dem verabredeten Rundgang gehen. Auch die Gestaltung neuer Papierkörbe ist bisher offen. Die Bodenplatten werden wohl nur repariert. In einem zweiten Bauabschnitt sollen dann die Arbeiten auf der Nordseite des Platzes folgen.

Voraussichtlich 2005 wird es dort zur augenfälligsten Veränderung kommen. Ein zentraler Punkt des Vorhabens ist die Schließung des Autotunnels in der Budapester Straße. Die Stadtentwicklungsverwaltung verspricht sich davon eine bessere Fußgängerverbindung zum so genannten Zoobogen mit dem Bikini-Haus. Die Budapester Straße soll um wenige Meter verschwenkt werden. Aus Kostengründen wollen die Senatsplaner den Tunnel nicht zuschütten, sondern nur mit Beton „deckeln“.

Anschließend könnten die Hochbeete zwischen dem Breitscheidplatz und der Budapester Straße verschwinden, sagt Strieders Sprecherin Petra Reetz. Die Beete seien ursprünglich aufgeschüttet worden, um Passanten vor einem Sturz in den Tunnel zu bewahren.

Dessen Schließung soll zum Teil mit Geldern von Bauherren aus der Umgebung finanziert werden. Der Stand der Projekte ist unterschiedlich. Die Bayerische Immobilien AG will den Zoobogen modernisieren. Es geht um das „Bikini-Haus“ mit seiner Ladenpassage, das Eckhaus am Hardenbergplatz und das frühere Kugelkino, aus dem die Talkshow „Sabine Christiansen“ gesendet wird. Der Baubeginn steht aber noch nicht fest.

Überhaupt keinen erkennbaren Fortschritt gibt es seit längerem beim geplanten „Zoofenster“-Hochhaus zwischen Budapester Straße, Kant- und Joachimstaler Straße. Zwar ist der 118-Meter-Bau seit Jahren genehmigt, doch fehlt immer noch ein Betreiber für das vorgesehene Luxushotel. Zuletzt war die Hilton-Gruppe als Interessent abgesprungen. Immerhin hat der Kölner Investor Dr. Ebertz und Partner die Brache mitten in der City West, auf der einst Teppich-Kibek seinen Sitz hatte, jetzt den Blicken von Passanten entzogen. Seit ein paar Wochen hängen Riesenplakate an Gerüsten, die Sehenswürdigkeiten des Bezirks wie das Schloss Charlottenburg zeigen. Zuvor hatten Kommunalpolitiker immer wieder die hässliche Szenerie kritisiert, die sich den am Bahnhof Zoo ankommenden Reisenden bot.

Nur einen Steinwurf entfernt soll das Schimmelpfeng-Haus verschwinden, das die Kantstraße überspannt. Ein anderer Investor plant dort ein weiteres 118-Meter-Hochhaus und kleinere Nebengebäude. Das Haupthaus ist für Büros gedacht. Ein Bauvorbescheid wurde inzwischen beantragt.

Nebenan ist jetzt das achtstöckige „City Light House“ eröffnet worden. Als erster Mieter zog in zwei Etagen das traditionsreiche Sportgeschäft „Skihütte“, das als ältester Sportfachmarkt Berlins gilt. Die „Skihütte“ hatte an gleicher Stelle bereits in einem abgerissenen Altbau verkauft. Andere Teile des City Light House sind noch unvermietet, wie Plakate zeigen. Das Gebäude gehört der Großbank Credit Suisse, die es von der ursprünglichen Investorenfirma OFB übernommen hatte. Die Grundsteinlegung war während der Langen Nacht des Shoppings im Oktober 2002 gefeiert worden.

Weitgehend beendet ist die Neugestaltung des nahen Joachimstaler Platzes an der Ecke Kurfürstendamm und Joachimstaler Straße. An dieser Stelle findet jetzt wieder der Kulturmarkt der Shoppingnacht statt. Nur für das Freiluft-Lokal, das Bezirkspolitiker dort dauerhaft ansiedeln wollen, wurde noch kein Wirt gefunden. Abgeschlossen ist dagegen die Sanierung der denkmalgeschützten Verkehrskanzel aus den 50er Jahren und des Zeitungskiosks darunter. Die Toilette im Eingangsbau des U-Bahnhofs Kurfürstendamm wurde von der Firma Wall modernisiert. Ansonsten stammte das Geld für die Arbeiten auf dem Platz von der Firma Grothe – dem Eigentümer des gegenüber liegenden Neuen Ku’damm-Ecks. Bauherr Thomas Grothe spendierte auch den „Pendelobelisken“, eine 27 Meter hohe Skulptur.

Noch im Bau befindet sich an der Ecke Augsburger und Joachimstaler Straße ein 17-stöckiges Hotelhochhaus der Firma Grothe, das für die französische Concorde-Gruppe gedacht ist.

Weiterhin unklar ist, wann die Baugerüste vom einstigen Traditionskino „Filmbühne Wien“ neben dem Neuen Kranzler Eck am Ku’damm verschwinden. Das Kino war vor vier Jahren geschlossen worden. Künftig soll das Baudenkmal ein Modehaus, Gastronomie und Wohnungen beherbergen. Doch die Fertigstellung dauert länger als geplant.

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