Zeitung Heute : Da geht die Arbeit hin

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Die Metall und Elektroindustrie sucht 150000 Mitarbeiter. Wie kommt es, dass die Zahl nicht besetzter Arbeitsplätze sogar steigt?

In der Metall- und Elektroindustrie, der wichtigsten Industriebranche in Deutschland, fehlt es nicht an Jobs. Es fehlt an Mitarbeitern. Angesichts von mehr als vier Millionen Arbeitslosen ist die Nachricht, dass wegen der anziehenden Konjunktur in dieser Branche allein in diesem Jahr 40 000 zusätzliche Stellen geschaffen wurden, die bis heute nicht besetzt werden konnten, völlig unverständlich. Die Gründe dafür sind gleichwohl bekannt.

Auch in früheren Jahren konnten trotz anhaltend hoher Erwerbslosigkeit nie alle Stellen besetzt werden. Nicht nur in der Metall- und Elektroindustrie. Denn die Qualifikationen der Bewerber und die Anforderungen der Arbeitgeber müssen passen, sie tun es aber vielfach nicht. Verantwortlich dafür sind beide Seiten. Wer lange Zeit aus dem Arbeitsprozess raus war oder wer keine Weiterbildung gemacht hat, der passt plötzlich nicht mehr auf das neue Anforderungsprofil der Betriebe. Und das ändert sich heutzutage schnell, selbst in den Büroetagen ist das Wissen der Mitarbeiter schnell veraltet. Es liegt aber auch an den Arbeitgebern, die Fortbildung und Schulung in den vergangenen Jahren rigoros gestrichen haben. Aus Kostengründen. Das rächt sich heute, wo die Unternehmer perfekt geschulte Arbeitnehmer einstellen wollen.

Damit allein lässt sich die hohe Zahl unbesetzter Stellen aber nicht erklären, zumal die Arbeitgeber darauf hinweisen, dass nicht nur höchstqualifizierte Facharbeiter fehlen, sondern auch Installateure oder Bürohilfskräfte. Davon gibt es genug in den Arbeitsagenturen. Nur nicht am richtigen Ort. Wenn in Baden-Württemberg die Konjunktur bei den Autobauern brummt, nutzt das im Ruhrgebiet wenig. Die Bereitschaft, für einen Job gleich umzuziehen, ist gering. Für manche Niedriglohnberufe mag sich das auch gar nicht rechnen. Aber es ist auch eine Frage der Absicherung durch die Sozialsysteme. Deren Umbau wird Druck machen. Arbeitnehmer müssen künftig regional noch viel flexibler werden. fo

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