Zeitung Heute : Da ist Musik drin

Manch exotischer Titel gibt einem erst einmal Rätsel auf. Doch oft stecken spannende Berufe mit Zukunft dahinter

Von Noten und Nöten.
Von Noten und Nöten.Foto: dpaint Fotolia

Der Witz mit dem Hausmeister ist inzwischen schon alt: Dass ein Facility Manager viel mehr können muss und dass es sich dabei um einen anerkannten Abschluss handelt, hat sich längst herumgesprochen. Doch das hat eine Weile gedauert. Andere Abschlüsse, gerade in der Weiterbildung, sind noch neuer und unbekannter. Schließlich werden in Deutschland jedes Jahr 720 000 Abschlüsse und Zertifikate in der Weiterbildung vergeben. Rund 5000 Kurse mit einem speziellen Abschluss finden jährlich in Berlin statt – zählte bereits 2007 eine Statistik. Darunter sind einige, deren Namen bei der Mehrheit der Deutschen nur Kopfschütteln hervorrufen. Das ist gerade bei einer Forsa-Umfrage herausgekommen. In Auftrag gegeben hat sie die Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW), die eine Reihe kaum bekannter Studiengänge anbietet – vom Lobbyisten über den Drug-Research-Manager bis zum Compliance-Officer. Doch auch andere Weiterbildungsanbieter haben ähnlich exotisch anmutende Abschlüsse im Programm. Wir stellen einige vor.

MASTER OF MEDIATION

Wenn zwei sich streiten, braucht man einen dritten, der schlichtet. Diese Weisheit lernt man eigentlich schon im Kindergarten. Doch dort lernt man auch, dass das manchmal eine fast unlösbare Aufgabe ist. Wie man ein professioneller Vermittler wird, der auch in schwierigen Situationen die Leute dazu bringt, sich wieder zu vertragen, lernt man in dem interdisziplinär ausgerichteten Studiengang Master of Mediation der Fernuniversität Hagen.

Berufsbegleitend kann das Studium in drei Semestern absolviert werden. Im zweiten Semester spezialisiert man sich – etwa auf Mediation im familiären Umfeld, in der Wirtschaft oder zur „Bewältigung strafbarer Handlungen.“ Voraussetzung für den Master ist eine abgeschlossene akademische Ausbildung. Juristen nehmen ebenso teil wie Betriebswirte, Verwaltungswirte, Sozialpädagogen, Psychologen, Naturwissenschaftler oder Mediziner (www.fernuni-hagen.de).

LOBBYIST

Lobbyisten sitzen überall und das schon seit langem. Ob für die Tabakindustrie oder für die Milchbauern – sie versuchen, Einfluss auf Politiker und andere Menschen zu nehmen, die ihnen helfen könnten, ihre Ziele zu erreichen. Dass man für diese Tätigkeit einen eigenen Studiengang absolviert, ist allerdings neu. An der DUW kann man nun einen Master als Lobbyist machen.

Die zweite, vielleicht noch kryptischere Berufsbezeichnung ist der „Public-Affairs-Manager“. Als Kernaufgaben nennt die DUW „Kontakte pflegen, Politiker mit Informationen versorgen und Interessen in Entscheidungsprozesse einbringen“. Voraussetzung ist ein erster Studienabschluss, zum Beispiel ein Bachelor. Die Inhalte des interdisziplinären Studiums: „wissenschaftliche Theoriebildung, aktuelle Themen und Praxisfälle an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft und Medien im europäischen Kontext“ (www.duw-berlin.de).

KOMMUNIKATIONSBERATER

Klar, was Kommunikation ist, weiß jeder. Schließlich kommunizieren wir den ganzen Tag. Was aber macht jemand, der andere bei diesem alltäglichen Tun berät? Er entwickelt „Werbekonzepte für Kunden“ und analysiert „Kommunikationsprobleme und -chancen von Unternehmen“, heißt es bei der Fernakademie Klett, die einen Weiterbildungslehrgang zum Kommunikationsberater anbietet. Schließlich sollen „ darauf aufbauend professionelle Strategien“ entwickelt werden, um dann eine „Beratertätigkeit im Werbebereich“ aufnehmen zu können (www.fernakademie-klett.de oder – ein weiterer Fernlernanbieter – www.ils.de). Voraussetzung: Realschulabschluss, Abschluss der Handelsschule oder entsprechende Berufserfahrung.

FAMILY BUSINESS MANAGER

Nein, bei diesem Studiengang geht es nicht darum, wie man als Mutter oder Vater Beruf und Familie unter einen Hut bringt. Vielmehr ist es ein spezieller Abschluss für Ökonome, die ein Familienunternehmen übernehmen wollen. Das sei zwar „kein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung“, heißt es bei der Uni Witten-Herdecke, die den Studiengang anbietet. Aber man lerne in dem Masterstudiengang, der sowohl in Voll- als auch in Teilzeit studiert werden kann, „unternehmensstrategische und familienstrategische Fragen in Balance“ zu bringen . Deshalb wird außer Wirtschaftswissenschaft auch Psychologie, Soziologie und Rechtswissenschaft gelehrt (www.uni-wh.de).

SECURITY MANAGER

Ein wenig schneller kommt man da dem Titel des Masterstudiengangs Security Management auf die Schliche. Er richtet sich vor allem an Beschäftigte in Sicherheitsdienstleistungs- und Sicherheitsindustrieunternehmen, die sich für Führungsaufgaben qualifizieren wollen.

Obgleich die Bezeichnung nicht ganz so exotisch daherkommt, ist der Studiengang dennoch etwas ganz Besonderes: Es sei der erste Master dieser Art in Deutschland, so die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR), die die Weiterbildung als Fernstudium anbietet (www.hwr-berlin.de).

LABELMANAGER

Wer Töne in Zahlen verwandeln möchte, könnte schließlich bei dem Lehrgang zum Labelmanager der Ebam Business Akademie für Medien, Event und Kultur richtig sein. Dort lernt man, wie Musikproduktionen erfolgreich vermarktet werden. Es gehe um Produktpolitik, Promotion- und Marketingmaßnahmen, Zielgruppen, aber auch um Existenzgründung in der Musikbranche, erklären die Anbieter. Der Labelmanager ist allerdings kein offiziell anerkannter Abschluss wie zum Beispiel jener von der IHK (www.ebam.de).

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