Zeitung Heute : Da liegt was in der Luft

Dagmar Dehmer

Erst der Feinstaub nun das Stickstoffoxid – die Luft scheint immer dicker zu werden. Welche der Stoffe könnten denn in welchem Maße zu welchen Schädigungen führen?

Feinstäube werden alle Partikel in der Luft genannt, die nicht sofort absinken, sondern in der Luft schweben. Die Größe dieser Partikel ist unterschiedlich. Als Faustregel gilt jedoch: je kleiner, desto schädlicher. Die Partikel greifen vor allem die Atemwege an. Tatsächlich gibt es keinen Grenzwert unterhalb dessen Feinstäube in der Luft für die Gesundheit unbedenklich wären. Dennoch gilt: je mehr, desto gefährlicher.

Die Luftbelastung trägt dazu bei, dass häufiger, hartnäckiger und länger gehustet wird. Außerdem zeigt sich bei Lungenfunktionstests, dass die Leistungsfähigkeit der Atmungsorgane abnimmt. Asthmatiker benötigen höhere Dosen von Medikamenten bis hin zu vermehrten Krankenhausaufenthalten. Sogar die Sterblichkeit wegen Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen steigt je höher die Luftverschmutzung ist. Das haben mehrere jüngere Untersuchugnen der Wirkung von Feinstäuben ergeben. Daraus leitet die Europäische Kommission auch ihre Zahl von geschätzten 65000 Deutschen jährlich ab, die wegen der Feinstäube in der Luft vorzeitig sterben. Besonders betroffen sind Kinder, weil ein gewichtiger Teil der Feinstäube genau auf ihrer Nasenhöhe ausgestoßen werden – aus dem Auspuff von Lastwagen oder Dieselautos.

Stickoxide, die ebenfalls im Autoverkehr, der Landwirtschaft und der Industrie entstehen, sind für die menschliche Gesundheit indirekt gefährlich. Stickoxide (NOx) sind eine der wichtigsten Vorläufersubstanzen von Ozon, das sich im Sommer unter der Einwirkung der Sonne bilden kann. Ozon schädigt wiederum vor allem die Atemwege, kann aber auch zu Reizungen der Augen führen.

Feinstäube und Stickoxide schaden aber nicht nur der Gesundheit. Feinstäube können auch zur Korrosion historischer Bauten beitragen, auch Skulpturen oder Glasfenster werden beeinträchtigt. Ozon mindert das Wachstum von Pflanzen. Dagegen tragen Stickoxide direkt, wenn sie gebunden werden, zu erhöhten Nitratwerten im Boden bei.

Beide Umweltprobleme kommen aus einer Vielzahl von Quellen, einschließlich natürlicher Ursachen, und sind nicht ganz einfach in den Griff zu bekommen. Gegen natürliche Quellen lässt sich tatsächlich gar nichts ausrichten. Allerdings haben sie fast nirgends den höchsten Anteil am Problem. Die vom Menschen gemachten Beiträge zur Feinstaubbelastung lassen sich unterschiedlich schwierig bekämpfen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat zusammengetragen, was zu tun wäre: Die Industrie hat eigentlich über die Technische Anleitung Luft (TA Luft) längst alle Vorgaben bekommen, um ihren Feinstaubausstoß zu verringern. Doch hat sich bei Messungen ergeben, dass die größten Mengen gar nicht mehr über die Schornsteine in die Luft geblasen werden, sondern über Dachöffnungen, Fenster oder Hallentore entweichen. Und dagegen hilft die TA Luft wenig. Abhilfe, wie zum Beispiel die „Umhausung“ von problematischen Produktionsprozessen, ist aber sehr teuer.

Auch in der Landwirtschaft – die meisten Feinstäube werden hier in der Tierproduktion erzeugt – lassen sich die Konzentrationen nicht von heute auf morgen senken. Allerdings wäre es nicht schwierig, etwas zu tun. Schon der Verzicht auf das Abfackeln von Stoppelfeldern, angefeuchtetes Tierfutter oder eine ganzjährige Bedeckung des Bodens würde viel helfen. Mit den größten Anteil an den menschengemachten Feinstaubquellen hat der Autoverkehr. Neben den Dieselrußpartikeln aus Autos und Lastwagen sind das der Abrieb von Reifen, Brems- und Straßenbelägen beim Fahren. Dagegen hilft nur: weniger fahren. Um hohe Feinstaubkonzentrationen schnell zu mindern, helfen also Fahrverbote, Geschwindigkeitsbegrenzungen und vielleicht die nasse Reinigung der Straßen. Dass deshalb weniger gefahren wird, ist aber eher unwahrscheinlich.

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