Zeitung Heute : Da wächst was heran

Börsennotierte Indexfonds bieten einen billigen Zugang zum Aktienmarkt

Udo Rettberg

Der noch junge Markt für so genannte Exchange Traded Funds (ETF) – das sind börsennotierte Indexfonds – wartet seit Jahren mit kräftigen Wachstumsraten auf. Auslöser für das starke Interesse der Anleger war der Kurseinbruch an den Aktienbörsen im Zeitraum von 2000 bis 2002. Nach den schlechten Erfahrungen mit Aktien gingen die Anleger auf die sichere Seite und setzten nicht mehr auf einzelne Wertpapiere, sondern auf den Gesamtmarkt. Allgemein gilt, dass die Prognostizierbarkeit des Gesamtmarktes einfacher ist als von einzelnen Aktien. Mit ETF setzen Anleger zu günstigen Kosten auf den Gesamtmarkt. Denn diese Fonds repräsentieren praktisch einen Index – und damit einen bestimmten Teil des Aktienmarktes.

ETF sind im Prinzip Investmentfonds, die einen Aktienindex repräsentieren. Diese ETF-Anteile werden ähnlich wie Aktien an Wertpapierbörsen gehandelt. Der Anleger hat dadurch die Möglichkeit, börsentäglich zu kaufen oder zu verkaufen. Diese Produkte wurden im Jahr 1993 zuerst in den USA und in Kanada kreiert.

Täglich elf Milliarden Dollar Umsatz

Wie stark das Interesse der Anleger an diesen Produkten ist, lässt sich am Kapitalzufluss während der vergangenen Jahre feststellen. Der Markt für ETF sei das einzige Aktien-Segment, in dem das Volumen der verwalteten Gelder während des Baissemarktes gestiegen sei, hat Michael Maras, Chef des Bereichs Global Equity-Linked Research bei der US-Investmentbank Merrill Lynch herausgefunden.

Deborah A. Fuhr, Fachfrau des US-Investmenthauses Morgan Stanley weist darauf hin, dass es derzeit weltweit 296 ETF gibt, die von 36 Fonds gemanagt werden und an 28 Börsen in der Welt notiert werden. Da einige dieser Fonds an verschiedenen Börsen gelistet sind, erreicht die Zahl der weltweiten Börsennotierungen von ETF derzeit die Zahl von 357. Das in diesen Indexfonds verwaltete Vermögen liegt nach Fuhrs Berechnungen derzeit bei rund 220 Millarden US-Dollar. Wegen der größeren Erfahrung der Finanzplätze in Nordamerika kann dabei nicht verwundern, dass das ETF-Volumen in den USA mehr als das Siebenfache der europäischen Marktgröße erreicht.

In ETF werden nach Angaben von Deborah A. Fuhr an den verschiedenen Börsen rund um den Globus täglich im Durchschnitt elf Milliarden US-Dollar umgesetzt. Die USA schießen – wie bereits gesagt – beim Volumen den Vogel ab. Hier existieren 131 solcher Indexfonds mit einem verwalteten Vermögen von 155,2 Milliarden US-Dollar. In Europa existieren 105 ETF mit einem Fondsvermögen von 22,3 Mlilliarden US-Dollar und in Japan 17 ETF, die es auf immerhin 28,02 Milliarden US-Dollar bringen.

Wegen der größeren Erfahrung der Finanzplätze in Nordamerika kann nicht verwundern, dass das Fondsvolumen in den USA von mehr als 100 Milliarden US-Dollar rund das Zehnfache der europäischen Marktgröße darstellt. Ein wesentlicher Vorteil für Anleger liegt darin, dass die jährlichen Kosten bei den liquiden ETF in den USA bei etwa 0,12 Prozent liegen. Die populärsten ETF in den USA sind der Nasdaq 100-Tracking Stock (QQQ) und die Standard & Poors 500 Depositary Receipts (SPDR). Beide Produkte werden an amerikanischen Wertpapierbörsen notiert und können dort wie Aktien ge- und verkauft werden.

Höhere Flexibilität für Anleger

Der Vorteil für den Anleger: Die Kosten für ein Engagement in Indexfonds liegen vergleichsweise niedrig. In den USA – wie gesagt bei 0,12 Prozent – und in Europa derzeit noch zwischen 0,35 und 0,50 Prozent. Sie liegen damit deutlich unter den Gebühren, die traditionelle Fondsgesellschaften berechnen. Experten wie Michael Maras von Merrill Lynch gehen davon aus, dass diese Kosten bei zunehmenden Fondsvolumen von ETF in den nächsten Jahren weiter fallen werden.

„ETF bieten dem Anleger eine wesentlich höhere Flexibilität“, sagt Rudolf Ferscha, Vorstandschef der weltgrößten Terminbörse Eurex. In den USA können Anleger mit ETF zum Beispiel Leerverkäufe vornehmen und somit auch auf einen schwachen Aktienmarkt setzen. Doch damit nicht genug: Die US-Terminbörsen sahen in ETF eine Chance auf eine Ausweitung ihrer Produktpalette. So bietet die Optionsbörse Chicago Board Options Exchange bereits seit dem 27. Februar 2001 Optionen auf den QQQ-Indexfonds an. Andere Optionen folgten sowohl an der CBOE als auch an der konkurrierenden Amex rasch nach. ETF-Optionen zählen inzwischen zu den erfolgreichsten Derivaten am US-Markt.

Die positive Entwicklung des an der Deutsche Börse AG gehandelten ETF-Volumens hat deren Tochtergesellschaft Eurex wachgerüttelt. Die weltgrößte Terminbörse hat vor geraumer Zeit den Handel mit Futures und Optionen auf Exchange Traded Funds gestartet. Damit war die Eurex die erste Börse weltweit, die Derivate auf ETF anbietet.

„Wir bieten dem Anleger damit maßgeschneiderte Absicherungsmöglichkeiten“, sagt Eurex-Chef Ferscha. Derivate auf Exchange Traded Funds seien eine ideale Ergänzung zu dem an der Eurex bestehenden Segment Indexderivate. Man wolle die Wachstumsdynamik der Aktienindex-Derivate auf das ETF-Segment übertragen. Die Deutsche Börse AG, neben der SWX Swiss Exchange Muttergesellschaft der Eurex, hatte im April 2000 als erste europäische Börse ein eigenes Segment für börsengehandelte Fonds eingeführt.

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