Zeitung Heute : Da wird der Mensch zum Jedi: Das Star-Wars-Kinofieber überträgt sich auf die Computerspiele

Kai Lewendowski

Vor sechs Jahren begann eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert: LucasArts brachte im April 1993 mit X-Wing das erste Star-Wars-Computerspiel für den PC heraus, das nach den Motiven der Star-Wars-Filme gestrickt war. Der Titel schlug ein wie eine Bombe. Bis Ende 1999 werden insgesamt 20 Star-Wars-Spieltitel und Fortsetzungen erschienen sein, die sich weit über zehn Millionen Mal verkauft haben. Die aktuellen Titel zu Episode 1 "Die dunkle Bedrohung" und "Racer" sind bis jetzt 300 000 Mal im Handel. Zum Filmstart wird es nochmals einen Boom geben. Das Star-Wars-Kinofieber überträgt sich auf die Computerspiele.

Mit X-Wing gab es 1993 den ersten Weltraumkampf-Simulator, bei dem die Raumschiffe halbwegs realistisch aussahen. Man konnte auf alles schießen, was sich bewegt. Bald bildete sich eine Fangemeinde. Es gab kleine Zusatzprogramme, mit denen der genervte Spieler sein zerschossenes Raumschiff in sekundenschnelle wieder auf Vordermann bringen konnte. Vor allem das Finale, der Flug durch den Graben auf dem bösen Todesstern, war nur etwas für den hartgesottenen Gamer. Hinter einem die Tie-Fighter (man konnte förmlich den mechanischen Atem Darth Vaders spüren) und vor einem. . . Hier wurde es plötzlich möglich, die Geschichten aus dem Kino zu Hause nach zu spielen und zu erleben. Die Träume ganzer Jungen-Generationen wurden wahr. Plötzlich war jeder Mensch ein Jedi.

Ein weiterer Meilenstein war 1994 "Rebel Assault", das erste Computerspiel für den PC überhaupt, das in einer fotorealistischen Umgebung spielte. Stolz verkündete LucasArts damals, dass man zum ersten Mal die Möglichkeiten des noch jungen Mediums CD-ROM voll ausschöpfte. Bei den Kritikern galt "Rebel Assault" als "state of the art" im Simulatorspielbereich. Der Nachfolger, "Rebel Assault II", wurde in Fachkreisen als die erste Star-Wars-Geschichte, die nicht von George Lucas verfilmt worden war, gehandelt - dabei war es "nur" ein Computerspiel. Mit "X-Wing vs. Tie-Fighter" brachte LucasArts 1997 das erste ausschließlich für Netzwerke gedachte Weltraum-Ballerspiel auf den Markt. Bis zu acht Spieler konnten gegeneinander antreten, was diversen Firmennetzwerken schwer zu schaffen machte.

Jetzt war man technisch soweit, Netzwerkspiele ohne Einbußen beim Spielen anbieten zu können. Faszinierend für viele Fans war, dass man sich bedenkenlos auf die "dunkle Seite der Macht" schlagen und in einen Tie Fighter setzen konnte, um mit dem "Rebellenpack" mal so richtig aufzuräumen. In "Jedi Knight" und auch "Shadows of the Empire" wurden dreidimensionale Darstellungstechniken immer weiter verfeinert. Die frühere Vorreiterrolle bei der technischen Entwicklung hatte LucasArts zwar einbüßen müssen, aber qualitativ waren die Spiele keine Massenware.

Zum aktuellen Film erschien das Action-Adventure-Spiel "Dunkle Bedrohung". Der Spieler muss in den Rollen der wichtigsten Akteure wie Obi-Wan Kenobi oder Königin Amidala die bedrohte Republik retten. "Das Spiel zeichnet sich durch ein unglaublich komplexes Gameplay aus, das die Dramatik und die Magie des Filmes exakt widerspiegelt", sagt Joel Dreskin von LucasArts. Man kann mit mehr als 100 Charakteren interagieren und muss gegen zahlreiche Gegner antreten, darunter Kampfdroiden, Jagddroiden, Söldner und den finsteren Darth Maul. Der Spieler nimmt an der kompletten Geschichte des Films teil - von seinem mysteriösen Anfang bis zu seinem Ende. Das andere neue Spiel ist "Racer". In dieser Rennsimulation für Spieler ab sechs Jahren geht es um die Podracer-Sequenz aus dem Film. Podracer sind kleine zerbrechliche Kanzeln, die mit Stahlkabeln an zwei riesigen Turbinen hängen, von denen angetrieben man sich in allerlei Schluchten und Tunnel stürzen muß. Das wirklich spannende an den Podracern ist, dass sie zwar 950 Sachen schaffen, aber dabei selten viel höher fliegen als einen Meter. In "Racer" kann der Spieler die Rolle von Anakin, dem Champion Sebulba oder 20 anderen Piloten übernehmen und an galaktischen Turnieren teilnehmen. Eine witzige Rennsimulation, die sich von Kindern einfach steuern lässt und nicht zuviel Fingerakrobatik abverlangt. Star Wars am PC - die Erfolgsgeschichte geht weiter, nicht nur im Kino.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben