Zeitung Heute : „Da wurde eine große Chance vertan“

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Herr Eckel, die Eröffnungsfeier der FußballWM wurde abgesagt. Sie wurden 1954 Weltmeister – wie wurde damals eigentlich das Turnier eröffnet?

Großes Spektakel gab es vor gar keinem WM-Spiel. Wir hatten unser erstes Spiel gegen die Türkei in Bern, ich erinnere mich noch. Wir sind mit dem Bus ins Stadion gefahren, haben uns warm gemacht, die Nationalhymnen gehört, anschließend war einfach Anpfiff. Ganz traditionell war das.

Weil es zu teuer gewesen wäre?

Nein, weil es die Leute einfach nicht interessiert hat vor 50 Jahren. Wer hätte eine WM-Eröffnungsfeier denn überhaupt sehen können? Die meisten Menschen saßen vor dem Radio, da macht ein schönes Feuerwerk gar keinen Sinn.

Die WM 2006 hätte mit einer zweistündigen Show in Berlin beginnen sollen …

… und ich bedauere sehr, dass die Eröffnungsfeier abgesagt wurde. Ich glaube, dass eine große Chance vertan wurde. Die Leute hätte es bestimmt interessiert.

Es wurden nur 8000 Karten verkauft.

Wir haben erst Januar, die Leute wären schon ins Stadion gekommen. Natürlich gab es bisher bei keiner WM so eine Eröffnungsfeier, aber die Idee fand ich gut.

Die Olympischen Spiele beginnen auch mit einer großen Show. Dort kommen allerdings die Athleten ins Stadion gelaufen, anders als es in Berlin geplant war.

Das ginge ja auch gar nicht. Bei den Olympischen Spielen wohnen die Sportler alle in einer Stadt, bei der WM hätten alle 32 Mannschaften aus ganz Deutschland anreisen müssen. Das macht doch kein Trainer mit, nicht zwei Tage vor dem ersten Spiel, so etwas stört die Konzentration!

Was hätte Sie an der Feier gereizt?

Wir hätten Sport und Show verbinden können. Außerdem war ich auch eingeladen, als einer von 132 Weltmeistern, die weltweit noch leben. Ich habe ja bisher keine WM-Karte und hatte mich auf die Reise nach Berlin gefreut . Der André Heller hätte im Stadion für das Spektakel gesorgt, wir für die Tradition.

Wurden Sie schon ausgeladen?

Nein, aber bei mir liegt ganz viel Post rum. Ich habe noch nicht alle Briefe geöffnet.

Horst Eckel, 73, schaffte 1954 das „Wunder von Bern“ und wurde Weltmeister.

Das Gespräch führte André Görke.

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