Zeitung Heute : Da zwickt’s mi

Christina Stürmer: Meine Favoriten der österreichischen Musikszene

Sein Name und seine Gitarre haben meine Kindheit geprägt: Wolfgang Ambros. Unsere alpenländische Bob Dylan-Ausgabe, der Held meiner Jugend, nein falsch: meiner Kindheit. Seine Platten liefen bei uns in Dauerrotation. „A Mensch möcht i bleibn“ kam nur wenige Monate nach meiner Geburt 1982 heraus. Sein größter Hit war es aber nicht. „Zwickt’s mi“ von 1975 und natürlich sein Durchbruch „Da Hofa“ von 1971 sind seine echten Knaller. Beide Songs führten über Wochen die österreichischen Charts an.

Müsste ich meine drei Lieblings-Musiker aus Österreich aufzählen, Ambros wäre dabei. Daneben aber auch Tyler, eine Rockband, die als Support auf unserer „Lebe-Lauter“-Tour dabei war. Live sind die eine Wucht. Unter die Top drei würde es auch Herbstrock schaffen, die gerade den Amadeus Award für „Newcomer des Jahres“ erhalten haben. Sängerin Anna hat einfach eine wunderbare Stimme. Aber à propos Amadeus, die Wahl zwischen Falco oder Erste Allgemeine Verunsicherung (EAV) fällt mir nicht besonders schwer: EAV. Denn nur Klaus Eberhartinger und der Ba-Ba-Banküberfall haben es in meiner Kindheit an Ambros heran geschafft. Falco war nix für meine Eltern, zu exaltiert sozusagen. Außerdem kommt Eberhartinger genau wie meine Familie aus Oberösterreich. Da muss man zusammenhalten.

Als Kind hat man das natürlich noch nicht so wahrgenommen, aber die Musik der EAV war alles andere als Spaßmusik. Kurt Waldheim, unser Skandal-Bundespräsident, wollte gegen den Song „Wenn man gehn muss“ klagen, tat das dann aber nicht, weil er wusste, dass das sein Image noch weiter beschädigen würde. Jörg Haider war da anders, der zog gegen Eberhartinger und Co. wegen „übler Nachrede“ vor Gericht. Einmal mit Erfolg, ein anderes Mal nicht. Immer wieder engagierten sie sich gegen Rechtsextremismus und rechte Gewalt, was ihnen sogar Bombendrohungen einbrachte. Auch ihre kirchen- und gesellschaftskritischen Songs kamen nicht so gut an, weshalb einige Radiostationen ihre Lieder sogar boykottierten. Mit Klamauk und Nonsens hat das nichts zu tun. Musik aus meiner Heimat ist eben vielfältig und abwechslungsreich. Naked Lunch für Alternative-Rocker, Joe Zawinul und Karl Ratzer für Jazz- und Blues-Fans sowie Kruder und Dorfmeister für Elektro-Liebhaber. Unsere Weltstars sind aber zweifelsohne Mozart und Strauss. Auf meinem iPod sind die allerdings nicht zu finden, dafür aber noch Georg Danzer und Petsch Moser. Ab und zu schafft es auch eine Schweizer Band auf meinen Player: Gotthard, die Hardrocker unserer Nachbarn. Deren Konzerte sind einfach großartig. Auf zwei Songs kann ich auf keinen Fall verzichten. Sie sind sozusagen meine musikalische Lebensversicherung aus Österreich. „Don’t ask me“ von Bauchklang, es ist der Dancefloor-Füller aus meiner Heimat – und für den Fall, dass alles zu viel wird, hilft nur noch Peter Cornelius: „I bin reif für die Insel“. Nur einer wird es niemals in meine musikalische Sammlung schaffen: Nehmt es mir nicht übel, Landsleute, aber Hansi Hinterseer geht einfach überhaupt gar nicht. Da zwickt’s mi.

Aufgezeichnet von

Christian Tretbar

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