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Nach diesem Prinzip arbeitet unser Sozialsystem: Wenn etwas schon nicht funktioniert, dann müssen wenigstens alle mitmachen. Neuestes Beispiel sind die explodierenden Kosten des Gesundheitssystems. Dass die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ins Minus gerutscht ist, haben die Beitragszahler spätestens gemerkt, als Anfang diesen Jahres die großen Kassen die Beiträge steigen ließen. Doch in Wahlkampfzeiten birgt ein Gesundheitssystem, das von Wissenschaftlern im internationalen Vergleich als „relativ und absolut“ zu teuer bezeichnet wird, politischen Sprengstoff. Wenn die Politik die Kosten kaum in den Griff bekommt, liegt es da nicht nahe, die Einnahmen zu erhöhen? Da bietet sich etwa die Möglichkeit, die Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 3375 Euro nach oben zu schrauben. Damit würden die Höchstbeiträge steigen. Für Besserverdienende ein deutlicher Anreiz, in die private Krankenversicherung zu flüchten (PKV). Doch da ist Gesundheitsministerin Schmidt vor: Sie will auch die Einkommensgrenze für die Versicherungspflicht so hoch setzen, dass die Flucht in die PKV verhindert wird. Mit einer Steigerung der Einnahmen wird also kaschiert, dass unser Gesundheitssystem teurer wird. Noch teurer. ce

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