Zeitung Heute : Dabeisein ist alles

Nicht angebunden, aber eingebunden: die Bühnen ohne Bus-Shuttle-Service

Textgetreu geht es beim Theater „Die Boten“ mit George Taboris „Goldberg-Variationen“ zu,  mit Michael Lusansky (Mr. Jay) und Björn Kossahl (Goldberg, r.)Foto: Maximilian Hinze
Textgetreu geht es beim Theater „Die Boten“ mit George Taboris „Goldberg-Variationen“ zu,  mit Michael Lusansky (Mr. Jay) und...

Auch mit der ausgefeiltesten Logistik ist es einfach nicht zu schaffen, alle Bühnen, die sich diesmal an der „Langen Nacht der Opern und Theater“ beteiligen, unter einen Hut zu bekommen. Oder genauer gesagt, sie in eine der sieben Touren einzubinden, auf denen die Bus-Shuttles die Neugierigen durch die Stadt kutschieren werden. Da Berlin eine dezentrale Stadt mit vielen Zentren ist, kennt die Kulturszene nicht wirklich einen unverrückbaren Mittelpunkt (auch wenn Claus Peymann das vermutlich anders sieht). Viele der kleinen und kleinsten Bühnen der Hauptstadt geht es vor allem darum, ihren Kiez mit Kultur zu versorgen.

Neben dem Zimmertheater Steglitz (das im nebenstehenden Artikel vorgestellt wird) gehören drei weitere Institutionen zu den „Externen“: die Ufa-Fabrik, das Theater „Die Boten“ sowie das Zimmertheater Karlshorst. Den Wettbewerb um die größte Entfernung vom „Lange Nacht“-Startpunkt am Rosa-Luxemburg-Platz gewinnen dabei eindeutig die „Boten“: 10,7 Kilometer weit wäre die Anreise aus Mitte zum Frankenholzer Weg in Biesdorf. Zu den Steglitzer Künstlern gelangt man dagegen bereits nach neun Kilometern - wenn man sich natürlich in entgegengesetzter Richtung auf den Weg macht.

„Schneller als jeder Shuttle-Bus! Mit der U-Bahn-Linie 6 fahren Sie direkt zur Ullsteinstraße“, wirbt die Ufafabrik. An diesem Traditions-Standort der Freien Szene ist ab 17 Uhr „frei.wild“ zu erleben: Bei dem Improvisationstheater bestimmen die Zuschauer, was auf der Bühne geschieht, wer zum Helden und wer zum Looser wird: „Ihr ruft uns eure Ideen und Wünsche zu, und wir machen alles, was ihr wollt (fast...)!“, preist sich die reaktionsschnelle Truppe an. Texttreuer geht es beim Theater „Die Boten“ zu: Denn hier stehen George Taboris „Goldberg-Variationen“ auf dem Spielplan. Seit über 50 Spielzeiten gibt es das Ensemble, das im TAP auftritt, dem „Theater am Park“ in Biesdorf.

Diesen Hauptkulturstandort im Bezirk Marzahn- Hellersdorf teilen sich die Schauspieler mit der Ballettschule Szilvia Wolf. Darum hat Regisseurin Heike Hinze-Buddrus in ihre Inszenierung auch verschiedene Auftritte der jungen Tänzerinnen eingearbeitet. Um 21 Uhr bietet das Corps de Ballett zudem als Intermezzo zwischen den sechs Tabori-Aufführungen noch eine eigene Show mit Musik aus dem Musical „A Chorus Line“.

Jüngst umgezogen ist das Zimmertheater Karlshorst: In der Friedrichfelder Sewanstraße, wo eine ehemalige Schule zum lokalen Kulturzentrum umgebaut worden ist, haben die Zimmertheaterleute ihre Kleinkunstbühne aufgebaut. Hier finden bei der „Langen Nacht“ gleich zwei Premieren statt: „Die eine Rose überwältigt alles“ ist eine musikalische Lesereise überschrieben, die das Lebenswerk der Lyrikerin Eva Strittmatter reflektiert, die 2010 ihren 80. Geburtstag feiern konnte. Ab 22 Uhr will Arno Käppel Kubitzki dann bei seiner Lesung „in Sixt-Feed-Under-Manier“ in menschliche Abgründe blicken. Den Schlusspunkt setzt der Gastauftritt von Susanna Metzner und ihrem Pianisten Klaus Schäfer, die sich für „Von Liebe und anderen Grausamkeiten“ Inspiration bei Ringelnatz, den Lassie Singers oder auch Günter Neumann geholt haben. Frederik Hanssen

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