Zeitung Heute : Dach kaputt, Schwamm im Gemäuer – der desolate Zustand vieler Schlösser schreckt Interessenten ab

Der Tagesspiegel

Von Helmut Caspar

Fürstenwalde. In der Mark Brandenburg haben etwa 800 Schlösser und Herrenhäuser den Krieg und den folgenden kommunistischen Bildersturm überlebt. Viele allerdings nur, weil sie als Wohnhaus, Kindergarten, LPG- Sitz oder Sanatorium genutzt wurden. „Da wurde wenigstens für dichte Dächer und saubere Regenrinnen gesorgt. Heute stehen viele Häuser leer, und niemand kümmert sich um sie“, bedauert die Kunsthistorikerin Sibylle Badstübner-Gröger, die sich als Vorsitzende des Freundeskreises Schlösser und Gärten in der Mark um die gefährdeten Bauten sorgt.

Das ehemalige kurfürstliche Jagdschloss in Fürstenwalde (Oder-Spree) ist ein solcher Katastrophenfall. Es überlebte mit etlichen Wirtschaftsgebäuden als Arsenal, Getreidespeicher und Museumsdepot und steht jetzt leer. Der Barockbau bietet ein Bild des Jammers – verbretterte Fenster, kaputtes Dach, aufsteigende Nässe, Hausschwamm. Im Schlosshof Gerümpelcontainer, überall Unkraut und Schutt. Das Bundesvermögensamt tut nichts, um den Verfall aufzuhalten. Würde es das Schloss an die Stadt um Nulltarif abgeben, könnte man es kulturell nutzen, etwa als Ausstellungshalle für das Stadtmuseum, das aus allen Nähten platzt. Doch angesichts des desolaten Zustandes dieses schon von Friedrich dem Großen in ein Armeedepot umgewandelten Schlosses wenden sich mögliche Interessenten entsetzt ab. Dabei ließe sich mit relativ geringem Aufwand wenigstens das Dach reparieren. „Das würde das Leben des Schlosses verlängern, und in der Zwischenzeit könnte man vertretbare Aufbau- und Nutzungskonzepte erarbeiten“, sagt befürchtet Badstübner-Gröger. Seit zehn Jahren ist der von ihr geleitete Freundeskreis mit Sitz in Berlin dabei, die Landesregierun und die Kommunen zu überzeugen, sich um das Denkmalerbe in Brandenburg zu sorgen sowie Verfall und Missnutzung zu verhindern. Mit rund 180 Mitgliedern gehört der Freundeskreis der Deutschen Gesellschaft an, die die Förderung politischer, kultureller und sozialer Beziehungen in Europa auf die Fahne geschrieben hat.

Fehlendes Geld allein sei es nicht, es gebe schon Investitionen, offensichtlich aber werde nicht immer das Richtige daraus gemacht, meint Badstübner-Gröger und nennt das Beispiel des Barockschlosses Prötzel (Märkisch- Oderland), das in ein Erholungs- und Sportheim für Manager umgewandelt werden und einen Anbau bekommen sollte. Das Projekt, in das schon viel Geld gesteckt wurde, ging in die Brüche, das Schloss steht noch immer leer. Anders liegen die Verhältnisse beim Schloss Groß Rietz (Oder-Spree). In den prächtigen Barockbau hat die von der Potsdamer Landesregierung und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanzierte Brandenburgische Schlösser GmbH etliche Millionen gesteckt, doch ein Nutzer ist immer noch nicht gefunden. Eine Berliner Modesammlerin ist abgesprungen, weil sie für die Betriebskosten nicht aufkommen kann. Sie hofft nun, die Kleider in Schloss Meyenburg (Prignitz) zeigen zu können. Auch die ebenfalls von der Schlösser GmbH sanierten Schlösser in Fürstlich Drehna (Dahme-Spreewald) und Martinskirchen (Elbe-Elster) suchen nach neuen und geeigneten Nutzern. Beim Schloss Steinhöfel (Oder-Spree) konnte Schlimmeres verhindert werden. Eine Berliner Geschäftsfrau wollte Dorf und Schloss mit Spielsalons und einer großen Pferdesportanlage beglücken, was zu erheblichen Eingriffen in die Ortsgestaltung geführt hätte. Der Denkmalschutz hat sich gegen die Lockungen des Geldes durchgesetzt, das Herrenhaus wird jetzt von der Brandenburgischen Schlösser GmbH restauriert. Eine Nutzung als Hotel ist vorgesehen.

Neben der Publikationsarbeit, den Ausstellungen, Exkursionen und Benefizkonzerten will der Freundeskreis in Zukunft mehr Jugendliche fürs Mitmachen gewinnen.

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