Zeitung Heute : Dachziegel zu Kerzenständern Die Matthäusgemeinde feiert ihr Kirchweihjubiläum

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Zur 125. Kirchweihfeier am ersten Advent war die evangelische Matthäuskirche so voll wie die alte Dorfkirche zur Gründerzeit. Mit ihren 72 Plätzen war diese um 1870 für Steglitz viel zu klein geworden, nachdem 1873 an der Eisenbahnstrecke Berlin-Potsdam ein größerer Bahnhof gebaut worden war. Zwischen 1855 und 1875 stieg die Einwohnerzahl des Dorfes von 648 auf 5462. Landesbauinspektor Emil Gette entwarf ein neues Gotteshaus im neugotischen Stil mit etwa 1200 Sitzplätzen. Die Kosten von 300 000 Reichstalern trug zur Hälfte die Königliche Regierung, den Rest musste die Gemeinde aufbringen. Am ersten Advent 1880 wurde die Kirche eingeweiht.

Wenige Monate später riss man die alte Dorfkirche ab. Deren Feld-, Mauer- und Dachsteine wurden versteigert, der Erlös diente der Rückzahlung des aufgenommenen Baudarlehens.

Diesem Beispiel folgt die Matthäusgemeinde auch heute. Kürzlich musste das Dach erneuert werden, und um den Eigenanteil von 55 000 Euro aufzubringen, verkauft die Kirche jetzt als Kerzenständer umgestaltete Dachziegel.

Pfarrerin Regine Becker will die Kirche wieder ins Dorf holen und die Kontakte unter den 5200 Gemeindemitgliedern fördern. Sie wünscht sich eine freie Fröhlichkeit in der Kirche und regen Besuch auch jenseits großer festlicher Ereignisse wie Krippenspiel und Martinsumzug.

Die Gemeinde will sich als offene Kirche präsentieren. So hält eine Mitarbeiterin die Kirche montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr geöffnet, informiert über die Kirche und steht zu Gesprächen zur Verfügung. Neben sozialer Arbeit wie dem Obdachlosencafé engagiert sich die Gemeinde stark in der Jugendarbeit. Intensiv gepflegt wird auch der christlich-jüdische Dialog.

Immer wichtiger wird die ehrenamtliche Arbeit. „Wenn viele Menschen ihre Fähigkeiten einbringen, entsteht daraus auch eine lebendige Gemeinde“, sagt die Pfarrerin. olk

Informationen im Internet:

www.matthaeus-steglitz.de

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