Zeitung Heute : Dacia: Bis 2004 zum 5000-Euro-Auto

Ingo Dahlern

In der DDR gehörte er zu den beliebten Importfahrzeugen - der Dacia 1300 aus rumänischer Produktion. Ein Oldtimer zwar, denn bereits 1969 hatte die Lizenzproduktion des Renault 12 in Rumänien begonnen. Doch im Unterschied zu den Zweitaktern aus DDR-Produktion war er ein Viertakter mit durchaus ansprechenden Fahrleistungen und vernünftigem Raumangebot. Probleme bereitete allerdings die Verarbeitungsqualität. Nun, der Dacia 1300 existiert in etwas überarbeiteter Form als Dacia 1310 auch heute noch. In Rumänien ist er sogar das meistverkaufte Modell. Und neben der Limousine gibt es auch einen Kombi mit einem Ladevolumen zwischen 430 und 1130 Liter.

Flaggschiff der Dacia-Palette ist allerdings der erst im vergangenen Jahr vorgestellte SupeRNova. Ein Auto, das dem 1995 entwickelten Dacia Nova nachfolgte, das damals als erstes Auto in rumänischer Regie entwickelt worden war. Denn der Lizenzvertrag zwischen Renault und und dem staalichen rumänischen Außenhandel über die Fertigung von Renault 8 und 12 aus dem Jahr 1966 war 1978 abgelaufen, spätere Verhandlungen über eine Verlängerung gescheitert.

Doch inzwischen ist Renault wieder mit im Boot - freilich nicht mit einem neuen Lizenzvertrag, sondern jetzt als Eigentümer des ehemaligen Staatsbetriebes. Schließlich übernahm Renault von Dacia bereits 1999 erst einmal 51 Prozent, inzwischen ist der Anteil auf 80 Prozent gewachsen.

Und schon bald nach der Übernahme ließ Renault wissen, dass man den früheren Lizenzpartner nun zur zweiten Marke des Konzerns ausbauen werde. Damit wollen die Franzosen vor allem die aufstrebenden Automobilmärkte in Osteuropa und Russland bedienen. Darüber hinaus jedoch sollen Dacias über den Atlantik exportiert werden, nach Zentralamerika und den nördlichen Ländern Lateinamerikas. Weitere Lieferkapazitäten sind für einige nicht zu Mitteleuropa gehörende Mittelmeerländer vorgesehen.

Dafür allerdings muss man die Werke von Dacia gründlich erneuern und ausbauen: Denn Ziel von Renault ist es, die derzeitige Dacia-Jahresproduktion von rund 120 000 Fahrzeugen auf 500 000 bis zum Jahr 2010 zu steigern. Mit der Erneuerung der Produktionsanlagen und der mit ihnen gefertigten Modelle allein ist es allerdings nicht getan. Denn auch die Dacia-Mitarbeiter müssen sich neu orientieren.

Alte Strukturen aufgelöst

Das ist, verglichen mit den einst herrschenden Hierarchien, den Managementmethoden und der Arbeitsorganisation zu Zeiten der sozialistischen Planwirtschaft, eine kulturelle Revolution. Inzwischen wurden die alten Strukturen aufgelöst, Verantwortung verlagert, eine Arbeitsorganisation eingeführt, in der in einem offenen System Kommunikation und Zusammenarbeit gefördert werden.

Parallel dazu werden die Werke erneuert, die bislang viel zu hohe Fertigungstiefe abgebaut, werden Industrieparks mit Zulieferern, die just in time ins Werk liefern aufgebaut, wird den rumänischen Zulieferern die Chance gegeben, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Und neu in seinem Innenleben präsentiert sich inzwischen auch der SupeRNova. Denn unter der kaum veränderten Karosserie findet man nun einen völlig neuen Antriebsstrang. Seine Herzstücke sind ein neuer 1,4-Liter-Benziner mit einer Leistung von 55 kW (75 PS) von Renault. Und ebenfalls von Renault stammt das Fünfganggetriebe, das ebenso wie der Motor auf die lokalen rumänischen Gegebenheiten abgestimmt wurde. Bislang gingen für das erneuerte Modell mehr als 10 600 Bestellungen ein. Und wenn es klappt, will man noch in diesem Jahr insgesamt 39 500 Einheiten bauen.

Ein besonders ehrgeiziges Ziel, das sich Renault mit Dacia gesetzt hat, ist bis 2004 die Entwicklung eines besonders preiswerten 5000-Euro-Autos. Dieses besonders robuste und erschwingliche Auto mit dem Projektcode "X-90", das in enger Kooperation mit dem Renault-Entwicklungszentrum Technocentre entsteht, wird etwas größer als der Clio sein und in wesentlichen Teilen auf der sogenannten B-Plattform von Renault und Nissan basieren, auf der auch die neue Generation des Renault Twingo und Clio und des Nissan Micra aufbauen. Neben einer Limousinenversion des 5000-Euro-Autos sind auch ein Kombi und ein Pickup geplant.

In Westeuropa wird man wahrscheinlilch nicht viel von der Umorientierung von Dacia zu einer modernen, qualitäts- und kundenorientierten Marke merken. Denn die unter diesen Vorzeichen schon jetzt und in Zukunft in den Dacia-Werken in Pitesti und Russland und bald auch einem dritten Standort entstehenden Fahrzeuge, sollen ausschließlich auf den Märkten der sogenannten automobilen Schwellenländer vertrieben werden - und damit nicht in Westeuropa.

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