Dänemarks Staatsanleihen : Finanzmarkt verkehrt

Es sind verrückte Zeiten. Nicht weil Banken und Anleger wieder zocken. Im Gegenteil. Sie machen schlechte Geschäfte. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) leihen sie sich eine halbe Billion Euro zum Zins von einem Prozent, um fast alles gleich wieder bei der Notenbank anzulegen. Für gerade mal 0,25 Prozent Guthabenzins. Sicherheit ist in diesen Zeiten alles. Dafür nehmen die vermeintlich cleveren Geldmanager sogar in Kauf, dass sie Geld verlieren. Auch im Geschäft mit Dänemark.

Umgerechnet rund 310 Millionen Euro hat sich das kleine Nicht-Euro- Land gerade über neue Anleihen am Kapitalmarkt beschafft. Die Rendite für die Anleger liegt zwischen minus 0,07 und minus 0,21 Prozent. Also unter null. Die großzügigen Investoren zahlen dafür, dass sie den Dänen Geld leihen dürfen. Weil sie bei den Geldmanagern des kleinen Landes absolut sicher sind, dass sie ihr Geld wiedersehen. Dafür nehmen sie den Zinsverlust gerne in Kauf. Glückliches Dänemark, werden Griechen, Portugiesen, Iren, Spanier oder Italiener sagen. Letztere mussten gerade eine Rendite von 6,98 Prozent bieten, um zehnjährige Staatsanleihen an den Mann bringen zu können. Das war zwar erkennbar weniger als noch vor ein paar Wochen. Aber das Risiko Italien lassen sich die Anleger gut bezahlen.

Bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hält sich der Neid auf die Dänen wohl in Grenzen. Noch immer genießt die Bundesrepublik trotz der Schuldenkrise in Euro-Land und eines eigenen Schuldenberges von zwei Billionen Euro die mit Abstand beste Bonität. Zehnjährige Bundesanleihen bringen eine Rendite von gerade mal 1,9 Prozent. So günstig hat sich Deutschland in der Nachkriegszeit selten verschuldet.

Für den Anleger ist auch der Deal mit Schäuble ein schlechtes Geschäft. Real ist die Rendite negativ, die Inflationsrate von 2,3 Prozent frisst den Zinsertrag auf und noch ein wenig mehr. Anfang Dezember gab es sogar noch deutlich weniger. Für sechsmonatige Schatzanweisungen des Bundes lag die Rendite bei für Deutschland unglaublichen 0,0005 Prozent. Eingesammelt hat der Finanzminister dabei rund 2,7 Milliarden Euro. Dabei hätten ihm Banken und Investoren liebend gerne satte zehn Milliarden in die Hand gedrückt. So als ob es um hochbegehrte Zockerpapiere mit saftigen Gewinnaussichten gehen würde. Aber davon haben die Geldmanager nach den leidvollen Erfahrungen der vergangenen Jahre offenbar die Nase voll. Sie wollen in Krisenzeiten wie diesen nur eines: Sicherheit. Und das fast um jeden Preis. Rolf Obertreis

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