Zeitung Heute : Daewoo: Kompletter Kompaktvan

ivd

Autos von Daewoo - ja die gibt es noch immer. Und wenn sich die immer noch laufenden Übernahmeverhandlungen mit General Motors endlich zum Positiven wenden sollten, dann dürfte das Weiterbestehen der einst so selbstbewussten aber schon lange bankrotten koreanischen Marke gesichert sein. Das wäre beruhigend für alle, die derzeit einen Daewoo fahren und auch für die, die sich für das neueste Modell mit dem Daewoo-Markenzeichen interessieren - den seit kurzem endlich auch auf dem deutschen Markt verfügbaren Rezzo. Diesen Namen trägt er nur hier und in Frankreich, denn in allen übrigen Ländern tritt er als Tacuma auf - wie auch die vor zwei Jahren präsentierten Prototypen.

Der Rezzo, so lautet das italienische Wort für Frische, gehört mit einer Länge von 4,35 Meter, einer Breite von 1,75 Meter und einer Höhe von 1,58 Meter zu den kompakten Minivans und damit in jenes Marktsegment, das in den letzten Jahren besonders kräftig wächst - vor allem auf Kosten der Kombis. Denn die kompakten Minivans sind bei gleicher oder sogar geringerer Verkehrsfläche dank ihrer Höhe geräumiger und variabler. Das gilt auch für den Daewoo Rezzo, der fünf Personen bequemen Platz und große Kopffreiheit bietet und auf den drei Einzelsitzen im Fond, deren mittlerer auch in der Länge verschiebbar ist, zugleich überraschend viel Beinfreiheit. Im Ladeabteil lassen sich 374 Liter unterbringen. Klappt man die hinteren Sitze einzeln zusammen und nach vorn, dann werden daraus bis zu 1425 Liter. Und baut man sie mit wenigen Handgriffen aus, dann bekommt man sogar einen Laderaum von 1847 Liter. Da passt dann auch sperriges Ladegut oder Sportgerät bequem in den Rezzo, zu dessen besonderer Ausstattung auch ein um 180 Grad drehbarer Beifahrersitz gehört.

So gut wie jeder Autohersteller beschäftigt bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge Spezialisten außerhalb des eigenen Hauses. Daewoo machte da beim Rezzo keine Ausnahme. So wurde die Karosserie mit der kraftvollen Front, den elliptischen Fensterflächen und den schwungvollen Linien zum Heck einschließlich der die Hecktür einrahmenden Rückleuchten in Zusammenarbeit mit Pininfarina gestaltet. Und zusammen mit dem Team von Ital Design und dem Daewoo Design Forum gestaltete er auch den ansprechenden Innenraum des Rezzo, der durch sein Qualitätsniveau überzeugt und mit hohem Ausstattungskomfort überrascht. Achtfach verstellbarer Fahrersitz, neigungsverstellbare Lenksäule, Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Colorglas, Laderaumabdeckung, 12-Volt-Steckdose in Mittelkonsole und Gepäckraum, Tankklappen-Fernentriegelung - es ist so gut wie alles drin und alles dran an diesem Auto.

Denn der Rezzo hat auch eine Dachreling, 15-Zoll-Leichtmetallfelgen, in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger und Türgriffe und eine Servolenkung. Nicht verfügbar bei der Sicherheitsausstattung, zu der Airbags für Fahrer und Beifahrer, Gurtkraftbegrenzer vorn und fünf höhenverstellbare Kopfstützen gehören, sind allerdings Seitenairbags. Und das zur Serienausstattung gehörende ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung für die vorderen Scheiben- und hinteren Trommelbremsen lässt sich leider auch nicht durch eine Fahrdynamikregelung ergänzen. Das wäre bei einem Preis von 32 990 DM für die jetzt verfügbare Version 2,0 CDX auch kaum zu verwirklichen.

Und damit sind wir beim Motor des Rezzo - einem Zweiliter-Vierzylinder mit Vierventiltechnik und 89 kW (121 PS), der kräftig im Anzug und drehfreudig ist und den Rezzo bis zu 180 km/h schnell macht. Ein Tempo, dem das Fahrwerk des Fronttrieblers mit McPherson-Federbeinen vorn und einer Verbundlenkerachse hinten durchaus gewachsen ist. Mitgewirkt bei der Abstimmung des unproblematischen Rezzo-Fahrwerks hat übrigens Porsche. Schade, dass Daewoo ein ähnlich guter Partner beim Motor fehlte. Denn auch, wenn er mit Normalbenzin zufrieden ist, ist der Durchschnittsverbrauch von 9,0 l/100 km in Verbindung mit dem serienmäßigen Fünfganggetriebe nicht gerade bescheiden, der 60-Liter-Tank also relativ schnell leer. Noch schneller geht das, wenn man sich für die für 2650 DM angebotene Viergang-Automatik von ZF entscheidet, denn dann fließen 10,8 l/100 km durch die Einspritzdüsen. Unnötige Minuspunkte für das insgesamt recht überzeugende und angesichts seiner umfangreichen Ausstattung vom Preis her ausgesprochen attraktive Auto - vorausgesetzt allerdings, das Daewoo-Schicksal nimmt endlich eine gute Wendung.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!