Zeitung Heute : DaimlerChrysler baut bei Ludwigsfelde für 8000 Menschen

Harald Olkus

Eigentlich sollte ein Lkw-Werk entstehen. Doch dann erhöhte Mercedes die Auslastung seiner zwei nordbadischen Fabriken. Da war der Neubau auf der grünen Wiese bei Ludwigsfelde überflüssig. Um das erworbene Gelände dennoch zu vermarkten, plante die Immobilientochter des DaimlerChrysler-Konzerns auf dem 220 Hektar großen Grundstück ein Wohngebiet für bis zu 8000 Menschen (27).

Doch bisher kommt das Projekt nicht recht ins rollen. Denn für den Bau einer Strassenverbindung fehlt dem Konzern noch ein Grundstück. Das gehört zu den Berliner Stadtgütern. Das Land wolle die Fläche "aus übergeordneten politischen Interessen" nicht verkaufen, sagt Mark Münzing, Pressesprecher der DaimlerChrysler Immobilien GmbH. Weitere Details, habe der Senat nicht verraten. Jetzt werde der Konzern ein Enteignungsverfahren einleiten. Münzing hofft noch 1999 auf einen Baubeginn.

Unter einer attraktiven Verkehrsanbindung versteht der Konzern die räumliche Nähe zum Berliner Ring, den Neubau der Bundesstraße A 101 und die neue Autobahnauffahrt Potsdam Kirchsteigfeld. Auch ein Haltepunkt der Regionalbahn soll am Wohngebiet Ahrensdorfer Heide entstehen. Von einer einst geplanten S-Bahn-Verbindung zum Potsdamer Platz ist derzeit nicht mehr die Rede. Als Ersatz hofft DaimlerChrysler eine direkte Zugverbindung nach Berlin-Mitte anschieben zu können.

In der Ahrensdorfer Heide soll "kein gesichtsloser Wohnpark" entstehen, sagt Mark Münzing. Er spricht daher von Dörfern, acht an der Zahl, mit jeweils 300 Häusern. Der erste Bauabschnitt soll Ludwigsdorf heißen. Die Einfamilien, Reihen- und Doppelhäuser gruppieren die Architekten entweder um einen Platz herum oder reihen sie entlang einer Straße auf, ähnlich wie bei einem Dorfanger. "Mit diesen vergleichsweise kleinteiligen Strukturen wollen wir eine flächendeckende Bebauung vermeiden und das Wohngebiet übersichtlich und unterscheidbar halten", sagt Mark Münzing.

Die Käufer hätten die Wahl zwischen fünf verschiedenen Haustypen mit Wohnflächen zwischen 100 und 140 Quadratmetern. Die einfachste Variante koste 325 000 DM. Käufer könnten aber auch aus dem Plan ausscheren und "etwas ganz anderes entstehen lassen", so der Sprecher: "Sie müssen sich dabei nur an den Bebauungsplan halten" - und die Bayerische Hausbau als Generalunternehmer verpflichten.

Neben der verkehrlichen Anbindung sei eine "Fülle von Infrastrukturmaßnahmen" geplant, sagt Münzing, "aber erst, wenn die ersten zwei Dörfer vermarktet sind." Vorgesehen sei ein Einzelhandelsbereich mit Geschäften und zwei Kitas. Die geplante Grundschule entstehe nun doch nicht, stattdessen erweiter die Gemeinde die vorhandene Schule in Ludwigsfelde.

Auf eine bessere Versorgung in der Region hoffen auch die Investoren umliegender Wohngebiete. Dietmar W. Lusch, Projektentwickler des Wohngebiets Gröben am See zum Beispiel, wirbt bereits jetzt mit den Einkaufsmöglichkeiten in der Ahrensdorfer Heide und der Schienenanbindung in die Berliner City. Es bleibt allerdings offen, ob sich seine Erwartungen so schnell verwirklichen. Denn DaimlerChrysler will die acht Dörfer nach und nach errichten. Der Verkauf der Häuser in den ersten Bauabschnitten senkt die Belastung bei der Realisierung weiterer Einheiten. So ist von einer "Zeitachse von mehr als zehn Jahren" auszugehen wobei Mark Münzing dem Projekt im Zweifel auf 20 bis 25 Jahre Zeit geben will.

Kein Wunder, auch ein herausragender Standort wie der Potsdamer Platz beziehen Mieter oder Eigentümer nicht von heute auf morgen. Die Wohnungen seien dort zwar alle verkauft, Mieter hätten aber erst zwei Drittel aller Objekte gefunden. Die Nutzer kämen aus den Bereichen Kultur, Politik und Wirtschaft, sagt Britta Renz, zuständig für Vermietung und Verwaltung bei DaimlerChrysler Immobilien. Die Nähe zum Reichstag mache den Potsdamer Platz auch für Regierungsbeamte und Politiker attraktiv. Mitarbeiter internationaler Botschaften seien dort schon eingezogen. Zu den Mietern gehörten auch viele Pendler, die berufsbedingt nach Berlin gezogen seien. Um den Marlene-Dietrich-Platz wohnten bisher aber wenig Familien, dafür wohlhabende Pensionäre, die es schätzten, viele Stadträume zu Fuß erreichen zu können.

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