Zeitung Heute : DaimlerChrysler: Wohin die Augen blicken

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Wir Menschen gehören zu den Augentieren. Denn rund 90 Prozent aller Informationen verarbeiten wir visuell. Deshalb spielt gute Sicht beim Autofahren eine extrem wichtige Rolle, wenn es gilt, das Verkehrsgeschehen jederzeit im Griff zu haben. Ideal wäre es natürlich, wenn die Sicht aus dem Fahrzeug rundum durch nichts behindert würde. Das allerdings verlangte den völligen Verzicht auf die sichtbehindernden A-, B- und C-Säulen. Das wäre ein Auto mit einem durchgehenden Glasdach. Zwar gibt es bei der Forschung von DaimlerChrysler ein solches Fahrzeug auf Basis des CLK Cabriolets. Doch dieses Auto ist ein reines Forschungsfahrzeug und kein Serienmodell, das derzeit ohne jede Dachsäule gar nicht vorstellbar ist.

Wenn man aber auf die Dachsäulen schon nicht verzichten kann, dann sollte man sie so gestalten, dass sie nur minimale Sichteinschränkungen verursachen. Im Mittel beträgt die Verdeckung des Sichtbereichs allein durch die A-Säule heute zwischen neun und zwölf Grad des 360 Grad großen Sichtfeldes rundum.

Aber nicht nur die reine Größe der A-Säule entscheidet darüber, wie stark die tatsächliche Sicht durch sie behindert wird. Ebenso wichtig ist auch ihre Position und ihre Form. Wie stark die Sichtbehinderung durch unterschiedlich gestaltete und an verschiedenen Stellen platzierte A-Säulen tatsächlich ist, ermitteln die Forscher von DaimlerChrysler mit ihren Forschungsauto mit der Glaskuppel. Denn in dem können sie durch Abkleben bestimmter Partien oder auch den Einbau veschiedener Säulenypen nun genau messen, wie stark die Sicht durch diese Säulen behindert wird.

Beim Autofahren schweift der Blick nämlich ständig. Dabei fixieren die Augen pro Sekunde mehrere Punkte. Die A-Säule erweist sich dabei als echte Störstelle, an der der Blick sich immer wieder festmacht. Wie intensiv das geschieht, messen die Forscher mit Hilfe eines Blickregistrierungs-Systems, das die Augenbewegungen von Testpersonen hinterm Steuer registriert.

Dabei liefern zwei digitale an einem Helm angebrachte Kameras online die Augenbewegungen an einen Rechner, mit dessen Hilfe die Forscher Dauer und Häufigkeit sogenannter Fixationen auswerten. Dabei filmt eine Kamera das Auge und die andere das Umfeld und mit Hilfe eines Objekterkennungsprogramms lässt sich die Augenrichtung festlegen.

Mit dieser Technik lässt sich, auch wenn das hohen Aufwand fordert, sehr zuverlässig erkennen, an welchen Stellen sich die Sichtbehinderungen durch eine A-Säule am stärksten auswirken. So lassen sich Konturen entwickeln, die optimale Sichtverhältnisse schaffen und die es mit den Raumverhältnissen, der Aerodynamik und der Ästhetik des Fahrzeugs in Einklang zu bringen gilt.

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