Zeitung Heute : Damit niemand die Nachricht lesen kann Rudolf Kippenhahn zeigt Geheimschriften

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„PL111 ZESCT FJE TEUAE INAWKR QGSILIA...“ - keine Angst, hier hat nicht die Korrektorenabteilung den Pfusch des Rezensenten übersehen, sondern dies ist eine geheime Nachricht, die Ariane an ihren Großvater schreibt, mit dem sie sich lange über Geheimschriften unterhalten hat. Sinnigerweise fehlte bei dieser Nachricht der Schlüssel zur Entzifferung, aber Rudolf Kippenhahn hat sich einen schlauen Großvater ausgedacht, der recht bald hinter das Geheimnis kommt. „Streng geheim“ heißt Rudolf Kippenhahns unterhaltsames Buch, das an Hand von vielen Beispielen erzählt, „Wie man Botschaften verschlüsselt und Zahlencodes knackt“, so der Untertitel.

Darin liegt natürlich der Reiz des Buches, denn einerseits lesen sich die Anekdoten vergangener Zeiten ganz spannend, aber eigentlich möchte man doch wissen, wie man in Zukunft an seinen Eltern vorbei die ganz geheimen Botschaften schicken kann. Das beginnt ganz schlicht mit Zaubertinten wie Zitrone, Spucke, Salzwasser, selbst Urin soll gehen, wie die Kinder in dem Buch unter großem Hallo feststellen - nur muss das leere Blatt wieder erwärmt werden, bis die dann braune Schrift sichtbar wird.

Briefmarkensprache, Morse- und Flaggenalphabet sowie Blindenschrift zählen zu den Schriftarten, die sich auch nicht sofort jedem erschließen. Aber die Kinder wollen mehr. So gibt es etwa die Schrift, bei der das Alphabet in neun Felder zu je drei mal drei unter- und nebeneinander geschrieben wird. Die Rahmen bleiben oben und unten sowie an den Seiten offen. Der „Buchstabe“ besteht nun aus dem Rahmen und einem Punkt an erster, zweiter oder dritter Stelle. Das sieht sehr kryptisch aus, aber wer das System kennt, kommt schnell zum Ziel. Interessant auch die Jägerzaunmethode. Man schreibt in zwei Reihen von oben nach unten und fährt so im Zickzack fort, bis man am Ende die Buchstabenreihe nebeneinander schreibt.

Unzählige Verschlüsselungstricks kennt Rudolf Kippenhahn, historische und aktuelle, wie etwa die „Geheimschrift aus dem Hut“. 26 Buchstaben werden einzeln wie Lose aus dem Hut gezogen, der erste wird das A, der zweite das B und so fort. Eine absolut sichere Geheimschrift. Das einziges Problem dabei: Den Lösungsschlüssel sollte man unbedingt gut aufheben, denn der ist wirklich einmalig. In farblich abgesetzten Infokästen gibt Kippenhahn historische Informationen, stellt berühmte Leute vor und gibt Rätsel auf. „Streng geheim!“ ist ein Buch, das die ganze Familie in ihren Bann ziehen kann und zu geheimen Korrespondenzen anregt. Rolf Brockschmidt

Rudolf Kippenhahn: Streng geheim! Wie man Botschaften verschlüsselt und Zahlencodes knackt. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2002. 122 Seiten. 12,90 EUR. Ab zehn Jahren.

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