Zeitung Heute : Daniel Nivel schüttelt viele Hände – und freut sich über ein deutsches Tor

Das Hooligan-Opfer war in Dortmund ein umsorgter Gast

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Lieb, fast schüchtern gelächelt hat er und wirkte dabei doch überhaupt nicht unsicher. Professionell bewegte sich Daniel Nivel inmitten der Fußball- und Politprominenz vor dem Spiel der Deutschen in Dortmund. Der Franzose war Hauptdarsteller in einer Begrüßungsarie, durfte die Hände vom Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, vom omnipräsenten Franz Beckenbauer sowie von Fifa-Präsident Joseph Blatter schütteln und wurde auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler begrüßt.

Der DFB hatte Daniel Nivel eingeladen. Der frühere Gendarm hat sich in den vergangenen Jahren üben können in öffentlichen Auftritten. Unfreiwillig allerdings. Im Juni 1998 war der damals 43-jährige Polizist nach dem WM-Spiel der Deutschen gegen Jugoslawien in Lens von deutschen Hooligans überfallen worden. An den Folgen der Kopfverletzungen leidet er bis heute. Nivel lag sechs Monate im Koma, er musste wieder gehen und sprechen lernen.

Beim Siegtor der Deutschen gegen Polen habe sich Nivel sehr gefreut, berichtete ein DFB-Sprecher. Beckenbauer und Köhler hätten Familie Nivel außerdem angeboten, ein weiteres Spiel zu besuchen.

Bei allen guten und gut gemeinten Aktionen wirkt es so, als seien die Deutschen ein wenig unbeholfen im Umgang mit Daniel Nivel. So sprach Wolfgang Niersbach, der Vizepräsident des Organisationskomitees, von der „Ironie des Schicksals“, dass es ausgerechnet rund um das Spiel, das Nivel besucht hat, „zu Krawallen gekommen ist“.

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