Zeitung Heute : Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn

Die Kongressmesse e/home zeigt das intelligente Haus. Doch wie sehen die dazu passenden Geräte aus?

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Von Ulrike Heitmüller,

Sie sitzen gemütlich im Fernsehsessel, der Krimi ist spannend, der Mörder schleicht heran – da klingelt es an Ihrer Tür. Kein Problem in einem vernetzten Haus: Ein Klick mit der Fernbedienung, und ein kleines Bild erscheint auf Ihrem Fernsehschirm. Sie sehen nicht nur den Mörder und die Leiche, sondern auch Ihren Freund vor Ihrer Haustür. Klick-klick: Das Licht geht an, die Tür geht auf. Ihr Freund kann eintreten.

Solche Erfindungen werden vom 29. bis zum 31. August auf dem Berliner Messegelände gezeigt. Hier findet die Kongressmesse e/home statt, die weltweit einzige Messe zum Thema „Intelligentes Haus“. Mit etwa 65 Ausstellern sind diesmal doppelt so viele vertreten wie bei der ersten e/home vor zwei Jahren, und sie versprechen Beispiele aus der Praxis. „Damals sprach man noch von Zukunft, jetzt sind die Technologien und Anwendungen da,“ sagt Marietta Puder, Projektleiterin des Kongresses. „Man kann sie kaufen und einbauen.“ Zum Beispiel das System, um per Fernbedienung und Fernsehgerät auch Lampen und andere Geräte zu bedienen: Ein kleiner Funk-Sender wird in das Fernsehgerät gestöpselt, ein Empfänger in die Steckdosen. Entwickelt wurde diese „Wireless Home Automation“ (kabellose Heim- Automatisierung) von der Loewe AG mit der Gira Giersiepen GmbH. Sie ist seit Juni im Handel und kostet etwa 260 Euro.

Warum ausgerechnet ein Fernseher als Schnittpunkt für die Hausvernetzung? Loewe-Pressesprecher Roland Raithel: „Unsere These ist, dass das Fernsehgerät das zentrale Gerät im Haus bleibt. Abends stellt man es als letztes ab. Darum ist es sinnvoll, wenn man von ihm aus auch das Licht im Keller löschen kann.“

Neben solchen Systemen, die Wohnungen oder Häuser vollständig vernetzen, werden auf der Kongressmesse Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik mit Internet-Anschluss, Sensorik oder ähnlichem gezeigt. Jeder kennt von öffentlichen Toiletten Wasserhähne, die ohne Berührung funktionieren. Bekannt sind aus Bürohäusern und Hotels Schlüssel, die mit einem Chip Türen öffnen und verschließen. Die Branche versucht, solches auch in Privathaushalten einzuführen. Allerdings sind viele Produkte recht teuer.

So öffnen Schlüssel von der Burg-Wächter KG mit „Transpondertechnologie“ mehrere Schlösser. Jetzt wird sogar ein Türschlüssel erprobt, der auch für das Auto des Hausbewohners passt. Pech allerdings, wenn er den verliert. Da der günstigste Schlüssel mit Transpondertechnologie rund 800 Euro kostet, kommt er aber für die meisten Privatleute sowieso nicht in Frage. Philips Consumer Electronics stellt eine Stereoanlage mit Breitband-Internet-Anschluss vor. Sie soll im September auf den Markt kommen und 500 Euro kosten. Mit dem „Streamium MC-i200“ wird der Hörer zum User. Der Vorteil gegenüber einem Computer mit Lautsprecher, so Pressesprecher Georg Wilde: „Der Käufer erhält einen Account auf dem Server von Philips und kann sein eigenes Radio-Programm zusammenstellen.“

Für die Berliner und Brandenburger besonders interessant: Fernsehgeräte mit DVB-T- Standard, die den Empfang des digitalen terrestrischen Fernsehens ermöglichen. Die Metz-Werke GmbH hat eine Steckkarte entwickelt, mit der der Empfang aller digitalen Radio- und Fernsehprogramme per Zimmerantenne möglich ist. Sie soll ab November im Handel sein, kostet allerdings 499 Euro und passt nur in Metz-Fernsehgeräte, die mindestens 1279 Euro kosten. Günstiger ist eine „Set-Top-Box“, die an die Skart- Buchse des Fernsehers angeschlossen wird. Die Nokia GmbH stellt ein Modell ns Nokia Mediamaster 210T für 349 Euro vor.

Technik-Freaks werden all das lieben. Aber Otto Normalverbraucher? Das erforscht derzeit ein Team von Wissenschaftlern in einem von oben bis unten vernetzten Haus. Das „Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme“ des Fraunhofer-Instituts in Duisburg arbeitet mit 17 Partnern aus der Wirtschaft am „InHaus-Projekt“.

Das Haus wurde tageweise in Workshops ausprobiert. „Testwohner mochten vor allem das, was sie sowieso schon kannten“, sagt InHaus-Projektleiter Klaus Scherer. Die Fernbedienung zum Beispiel. Im InHaus sprechen halt mehrere Geräte auf sie an, nicht nur der Fernseher. Oder die Zentralverriegelung – jeder kennt sie vom Auto. Im InHaus schließt sie eben nicht nur die Tür, sondern auch die Fenster.

Die Zentralverriegelung ist aber auch aus einem anderen Grund beliebt: „Sicherheitsmechanismen kommen generell gut an“, nennt Klaus Scherer ein zweites Ergebnis. Dabei ist es gar nicht sicher, ob das vernetzte Haus wirklich sicherer ist: Erstens entsteht in einem Haus, das per Handy oder Internet von außen erreichbar ist, ein ganz neues Risiko – durch Hacker. Zweitens bietet viel Elektronik auch viele Möglichkeiten für Störungen, man kennt es schon von Autos und Computern: Wer den Krimi schaut und klick, klick, per Fernbedienung den Freund hereinlassen will, erlebt womöglich, dass der Fernseher abstürzt, das Licht ausgeht, und am Schluss auch noch die Tür klemmt.

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