Zeitung Heute : Darauf können sie wetten

Frank Bachner

Nach dem Fall Hoyzer deutet vieles auf einen neuen Wett- skandal im deutschen Fußball hin. Welche Möglichkeiten gibt es, um solche Manipulationen in Zukunft zu verhindern?


Zwei Jahre und fünf Monate Gefängnis, so lautete im November 2005 das Urteil des Landgerichts Berlin gegen Robert Hoyzer. Ausgerechnet ein Schiedsrichter hatte Fußballspiele manipuliert – ein einmaliger Skandal. Jetzt besteht der Verdacht, dass zumindest versucht wurde, weitere Spiele der Regionalliga und der Zweiten Bundesliga zu manipulieren. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen vier Personen wegen Wettbetrugs. Sie sollen, möglicherweise im Ausland, viel Geld auf bestimmte Partien gewettet und Spielern Geld geboten haben. Die Fußballer sollten für das gewünschte Ergebnis sorgen. Ein Spieler des Regionalligisten Eschborn offenbarte sich seinem Verein. Der informierte den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die Kripo wurde eingeschaltet. Ein Schiedsrichter steht diesmal aber nicht unter Verdacht.

Der DFB hatte schon nach dem Hoyzer-Skandal reagiert. Er wurde Kunde der Firma Betradar und nutzt damit ein Warnsystem. Betradar verfolgt unter anderem international die Quoten von mehr als 100 Wettunternehmen. Buchmacher, die einen Vertrag mit Betradar haben, leiten jede Änderung einer Wettquote an das Unternehmen weiter. Betradar informiert daraufhin sofort seine restlichen Kunden, die dann ebenfalls ihre Quoten ändern können. Sinkt eine Quote drastisch, weil plötzlich viel Geld auf ein Spiel eingezahlt wurde, informiert Betradar jetzt auch umgehend den DFB. Denn dann besteht Manipulationsverdacht. Der DFB alarmiert sofort den Schiedsrichter der Partie sowie Vertreter der betroffenen Vereine über die Warnung. Die Botschaft an Spieler und Klubs ist klar: Vorsicht, wir beobachten das Geschehen sehr genau. Jede Auffälligkeit wird im Zweifelsfall untersucht. In der Saison 2004/2005 wurde dieser Alarm vor dem Regionalliga-Spiel Regensburg gegen Hoffenheim ausgelöst. Manipulation ließ sich aber nicht nachweisen.

Betradar wollte gestern generell keinen Kommentar abgeben. Eiken Albers, Inhaber der „Albers Wettbörse GmbH“ in Berlin, ist Betradar-Kunde. Jedes größere Wettunternehmen in Deutschland habe einen Vertrag mit dieser Firma, sagt er. „Aber wenn jemand irgendwo einen Buchmacher findet, der nicht mit Betradar arbeitet und bei diesem hohe Summen setzt, kann natürlich kein Alarm ausgelöst werden“, sagt Albers. Wetten können auch problemlos online im Ausland platziert werden. Allerdings werden Buchmacher ab einer gewissen Summe schnell misstrauisch. „2000 Euro auf ein Spiel können Sie als Neukunde nicht setzen“, sagt Albers. Er nimmt für die Wette auf ein Regionalligaspiel höchstens 100 Euro. „Aber man kann viele Menschen beauftragen, jeweils kleine Summen auf ein Spiel zu setzen“, sagt Albers. „Dann fällt es nicht auf, wenn sie betrügen wollen.“

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben