Zeitung Heute : Darf man noch Kartoffeln essen?

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Welche Bedeutung hat Cholesterin als Mitursache von Herz und Hirninfarkten? Darüber sprachen wir mit Professor Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Er leitet außerdem die Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin am Berliner Klinikum Benjamin Franklin.

Ein Slogan in der Diskussion um die richtige Ernährung heißt: Fett macht fett, Kohlenhydrate machen fit. Stimmt das?

Im Moment gehen wir eher davon aus, dass die Gesamtzahl der aufgenommenen Kalorien entscheidend für das Körpergewicht sind. Für das Risiko, eine Herz-Kreislauferkrankung zu bekommen, ist außerdem die Zusammensetzung der Nahrung wichtig, also die Qualität von Fetten und von Kohlehydraten. Fette mit hohem Anteil gehärteter oder gesättigter Fettsäuren zum Beispiel lassen das LDL ansteigen, das auch als schlechtes Cholesterin bezeichnet wird. Und Kohlenhydrate mit hohem Anteil unverzweigter Zuckerketten – die Zucker sind dadurch schnell verfügbar – senken das „gute“ HDL-Cholesterin. Solche unverzweigten  Kohlenhydrate stecken zum Beispiel in Kartoffeln und Reis, verzweigte Kohlenhydrate dagegen eher in Gemüsen wie Kohl oder Möhren und in Vollkornprodukten.

Gerade Kartoffeln werden aber von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als Beilage sehr empfohlen?

Ja, darüber diskutieren wir zur Zeit. Es ist eine europaweite Studie geplant, in der unter anderem untersucht werden soll, welche Bedeutung die verschiedenen Kohlenhydrate haben.

Wie hoch schätzen sie die Bedeutung von Cholesterin als Mitursache von Herzinfarkten und Schlaganfällen ein?

Aus mehreren, großen Studien geht hervor, dass die Blutfettwerte einen wesentlichen Einfluss haben auf das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu bekommen. Die Cholesterinwerte machen circa 30 Prozent eines erhöhten Risikos aus, weitere Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, eine familiäre Veranlagung und höheres Lebensalter.

Schützen so genannte Anti-Oxidantien, zum Beispiel die Vitamine C und E, vor Herzkreislauf-Erkrankungen ?

Solche Anti-Oxidantien können offenbar der gesundheitsschädlichen Oxidation von Cholesterin entgegenwirken. Aber isolierte Vitaminpräparate helfen nicht, wie eine große Studie, die Heart Protection Study, ergeben hat.    

Die Fragen stellte Nicola Siegmund-Schultze

INTERVIEW

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