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Paket-Rechtsschutz oder Einzelpolicen: Welche Absicherung Sinn macht und wofür Versicherer zahlen

Ob Steuern oder Strafzettel: Rechtsschutz gibt es für fast alle Bereiche. Manche Policen sind aber schlicht überflüssig. Foto: picture-alliance/EB-Stock
Ob Steuern oder Strafzettel: Rechtsschutz gibt es für fast alle Bereiche. Manche Policen sind aber schlicht überflüssig. Foto:...Foto: picture-alliance / EB-Stock

Mit rund 20 Millionen Policen ist Deutschland das Dorado der Rechtsschutzversicherer. Grundsätzlich kommt’s im Ernstfall auf die vertraglichen Details an.

„Ob Verkehrsunfall, Mängel in der Wohnung oder Kündigung der Arbeitsstelle – in kaum einem Lebensbereich lassen Streit und Zwietracht lange auf sich warten“, weiß der Berliner Fachanwalt für Versicherungsrecht, Verkehrsrecht und Strafrecht sowie Buchautor Gregor Samimi. In über der Hälfte der Fälle zerren sich die Streithähne gegenseitig vors Gericht. Doch das kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Geld. „Bei hohen Streitwerten liegen Anwalts- und Gerichtsgebühren schnell im vierstelligen Bereich“, so Samimi.

Das sind gute Gründe, die so oder ähnlich in jedem Versicherungsprospekt auftauchen. Doch nicht jeder benötigt eine solche Vorsorge. Die Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest rät Verbrauchern, den eigenen Versicherungsbedarf genau zu prüfen, bevor man sich für Einzelpolicen oder einen Paket-Rechtsschutz entscheidet. Für Vielfahrer sei der Verkehrsrechtsschutz als Einzelpolice sinnvoll. Angestellte in Krisenbranchen könnten über einen Arbeitsrechtsschutz nachdenken – was für Gewerkschaftsmitglieder wiederum meist überflüssig ist, weil diese Rechtsschutz bei IG Metall, Verdi & Co. genießen.

Obwohl sich auch Mieter und Vermieter oft in die Haare geraten, raten Verbraucherschützer beim Mietrecht von teuren Einzelpolicen ab. Erschwinglich werde ein solcher Schutz erst im Paket. Und auch hier gilt: Mit dem Beitrag für die Mitgliedschaft in einem Mieterverein ist der Mietrechtsschutz abgegolten.

So unterschiedlich die Qualität der Vertragswerke, so weit auch die Preisspannen. So gibt es ein komplettes Versicherungspaket schon ab rund 180 Euro Jahresbeitrag. Versicherungsnehmer können das Ganze aber auch für mehr als 420 Euro kaufen. Neben dem Preis ist das A und O die Frage, wofür der Versicherer zahlt und wann er abwinkt. Ein kurzer Leistungsüberblick:

Schadenersatz: Vor allem beim Verkehrsrechtsschutz anzutreffen, sobald ein Unfallopfer eine finanzielle Wiedergutmachung vom Verursacher verlangt.

Vertrags- und Sachenrecht: Unter den Versicherungsschutz fallen Zank und Zoff um Verträge, die Rücknahme fehlerhafte Ware und auch schlampige Handwerksarbeit. Nicht abgedeckt ist der gerichtliche Streit nach dem Pfusch am Bau.

Familien- und Erbrecht: Für viele Versicherer ein zu großes Risiko, so dass meist nur die Kosten einer Erstberatung gedeckt sind.

Steuerrecht:
Rechtsschutz gibt es in der Regel nur für die Kostenrisiken bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung.

Arbeitsrecht: Der Versicherer zahlt bei vermeintlich schlechtem Zeugnis, falscher Gehaltseinstufung oder Kündigung. Ein Arbeitnehmer kann ihn bereits beanspruchen, falls der Chef mit Rausschmiss droht (Bundesgerichtshof, BGB, Az.: IV ZR 305/07).

Sozialrecht: Der Rechtsschutz deckt in der Regel die Kosten bei Streitigkeiten mit der gesetzlichen Kranken-, Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ab.

Verkehrsrecht: Sobald es um den Entzug der Fahrerlaubnis geht, übernehmen die Rechtsschutzversicherer die Kosten, unabhängig davon, ob der Streit vor Gericht geht oder nicht. Wer gegen ein Knöllchen wegen Falschparkens angeht, muss das finanziell aber auf die eigene Kappe nehmen.

Strafrecht: Die Versicherung leistet, sobald dem Versicherungsnehmer ein Vergehen vorgeworfen wird oder er in einem Bußgeldverfahren steckt. Wird ihm Vorsatz vorgeworfen, winkt der Rechtsschutzversicherer bei der Kostenübernahme aber ab. Ausnahme: Im Nachhinein stellt sich heraus, dass an dem Vorwurf nichts dran war.

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