Zeitung Heute : Das alles – und noch viel Meer

Annabel Heydebreck

Schleswig-Holstein hat gewählt. Was macht das nördlichste Bundesland aus? Die Schleswig-Holsteiner haben anders gewählt als beim vergangenen Mal im Jahr 2000. Was hat dazu geführt?

Steckbrief: Mit 15761,4 Quadratkilometern Fläche ist Schleswig-Holstein nach dem Saarland der zweitkleinste deutsche Flächenstaat. Seine Küstenlage beschert ihm ein ozeanisches Klima. Die Nordseeinseln Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm und Helgoland, sowie die Ostseeinsel Fehmarn gehören dazu. Schleswig-Holstein ist das Bundesland mit dem kleinsten Waldbestand und den geringsten Bodenerhebungen.

Wirtschaft: Nach dem Zweiten Weltkrieg noch das ärmste aller Bundesländer, schaffte es Schleswig-Holstein 1999 mit zwei Prozent Wirtschaftswachstum zum bundesweiten Spitzenreiter – Dank einer Steigerung der Stromproduktion um 33 Prozent. Die Hafenstädte Kiel, Lübeck und Brunsbüttel, sowie das Hamburger Umland sind beliebte Industriestandorte. Allen voran hat sich hier die High- Tech- und pharmazeutische Industrie angesiedelt. Dienstleistungs- und High- Tech-Branche haben die bis in die 60er Jahre dominierenden Wirtschaftszweige Landwirtschaft und Schiffsbau abgelöst. Verluste verzeichnet die Baubranche: Seit 1994 sank der Umsatz um 18 Prozent auf 2,7 Milliarden im Jahr 2002. Sein Anteil an der Bruttowertschöpfung beträgt nur noch 4,5 Prozent.

Dennoch prognostizieren Wirtschaftsexperten für das Jahr 2005 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Immerhin stieg das Bruttoinlandsprodukt 2004 um 2,2 Prozent. Bedingt durch die bundesweit schlechte Wirtschaftslage stieg die Arbeitslosenquote von 9,4 Prozent im Jahr 2001 auf 9,8 Prozent im darauffolgenden Jahr und 10,9 Prozent im Jahr 2003 und war damit höher als in allen anderen westdeutschen Bundesländern.

Finanzen: Im Jahr 2000 machte Schleswig- Holstein Rekordschulden von 30 Milliarden Euro. Damit erlangte es die traurige Berühmtheit des am höchsten verschuldeten Bundeslands. Das ist bis heute so. Zwischen 2000 und 2004 sanken die Steuereinnahmen um sieben Prozent. Gleichzeitig stiegen die Sozialausgaben und Pensionslasten. Im vergangenen Jahr betrug der Schuldenberg 21,4 Milliarden Euro.

Geschichte: Ihrer Verbundenheit verliehen die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein 1386 Ausdruck durch ein gemeinsames Wappen. 1460 wählten der in beiden Herzogtümern ansässige Adel und das Bürgertum den dänischen König Christian I. aus dem deutschen Hause Oldenburg zu ihrem Landesherrn. Auf der Grundlage des Vertrags von Rippen musste Christian 1. schwören, die Herzogtümer niemals zu trennen. Das funktionierte etwas mehr als 200 Jahre. Dann erstarkte der Nationalismus und mit ihm suchten sich auch die Schleswig-Holsteiner von der dänischen Oberhoheit zu befreien, was im Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848-1851) mündete. Erst 1864, im Deutsch-Dänischen Krieg, konnte Dänemark besiegt werden. Doch der alten folgte eine neue Obrigkeit: Zunächst teilten sich Preußen und Österreich die Verwaltung. Nach dem Deutsch-Österreichischen Krieg 1866 wurde Schleswig-Holstein zur Preußischen Provinz und 1871 Teil des Deutschen Reichs. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Schleswig-Holstein Teil der britischen Besatzungszone. 1947 fanden die ersten freien Landtagswahlen statt, aus denen die SPD mit absoluter Mehrheit hervorging. Von 1950 bis 1987 folgte eine durchgängige Regierungsperiode der CDU. Erst mit der Barschel-Affäre wendete sich 1988 das Blatt zu Gunsten der SPD. Seit nunmehr 17 Jahren wird Schleswig-Holstein von den Sozialdemokraten regiert.

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