Zeitung Heute : Das andere Amerika

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Aus Protest gegen die USKlimapolitik haben sich 136 US-Bürgermeister zusammengeschlossen und sich dem Kyoto-Protokoll verpflichtet. Was könnte dieser ungewöhnliche Schritt bringen?

136 amerikanische Bürgermeister haben eine Klimaschutz-Vereinbarung unterzeichnet. Initiator ist der demokratische Bürgermeister der Stadt Seattle, Greg Nickels. Er hatte schon am 16. Februar zum Inkrafttreten des Klimaschutz-Abkommens von Kyoto zu einer solchen Initiative aufgerufen. Dem haben sich nun auch die Bürgermeister von New York und Los Angeles angeschlossen.

Sie wollen erreichen, dass die USA, die das Kyoto-Protokoll ablehnen, ihren Ausstoß an klimaschädlichen Gasen bis 2012 um sieben Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Abgesehen davon wollen die Städte selbst alles tun, um der globalen Erwärmung gegenzusteuern. Sie wollen sich selbst Reduktionsziele für Klimagase geben und ihre Städte so umbauen, „dass sie begehbar werden“, also das Auto nicht mehr für jeden Weg genutzt wird.

Nickels kritisierte die „tauben Ohren“ der Regierung von George W. Bush. Für Seattle legte Nickels ein anspruchsvolles Umweltprogramm vor und warb erfolgreich für Unterstützung bei der Wirtschaft. Der Chef des weltweit operierenden Kaffee-Konzerns Starbucks übernahm den Vorsitz einer Unterstützerorganisation. Die Klimachefin des World Wide Fund for Nature (WWF), Jennifer Morgan, sagte dem Tagesspiegel: „Für mich ist das ein Zeichen, dass die Regierung Bush in der Klimafrage isoliert ist.“

Wie isoliert die USA sind, zeigte sich auch bei einem Klima-Workshop, der am Montag und Dienstag in Bonn stattgefunden hat. Vor allem aus den Entwicklungsländern werde die Forderung lauter, nach 2012, wenn das Kyoto-Protokoll ausläuft, den Ausstoß von Treibhausgasen dramatisch weiter zu senken. Vor allem China, Brasilien und Südafrika hätten darauf gedrängt, Ende des Jahres bei der Klimakonferenz in Montreal „mit ernsthaften Verhandlungen“ zu beginnen, sagte Morgan. Die USA dagegen wollen vor 2012 über nichts sprechen – das gilt aber offensichtlich nur für die Regierung. deh

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