Zeitung Heute : Das Archiv gibt es schon

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Deutschland hat zwar einen der dichtesten Zeitschriftenmärkte der Welt und eine große Zeitungstradition. Doch ein Pressemuseum wie das „Newseum“ in Washington gibt es bislang nicht. „Hamburg hat ein Puppen-, ein Zoll-, ein Gewürz- und viele andere Museen – aber keines, das auch nur andeutet, dass in Hamburg die Geschichte der deutschen Nachkriegspresse begonnen hat und heute täglich an dieser Geschichte geschrieben wird“, sagt Rolf Grimm.

Rolf Grimm war fast dreißig Jahre lang Anzeigenleiter beim „Stern“. Als er sich Anfang 1999 in den Ruhestand verabschiedete, war es plötzlich da, dieses Gefühl der Unruhe, das Grübeln, warum es in Aachen und Meersburg ein Zeitungsmuseum gibt, in Mainz ein Druckmuseum, in Leipzig ein Buchmuseum und in Berlin ein Museum für Kommunikation. Aber in Hamburg, der Stadt der Großverlage? Fehlanzeige!

Mittlerweile hat Rolf Grimm einen Arbeitskreis Deutsches Pressemuseum gegründet. Nach dem Vorbild des „Newseum“ in Washington will er in Hamburg auch ein Pressemuseum aufbauen. Zu den zehn Gründungsmitgliedern des Arbeitskreises zählt unter anderen der ehemalige „Stern“- Chefredakteur Michael Jürgs. Es gab auch bereits Gespräche mit Verlagen und mit dem Hamburger Senat, der Räumlichkeiten in der neu entstehenden Hafen-City in Aussicht stellt. Etwa 300 bis 400 Quadratmeter benötigt das Museum.

Doch was die Verlage angeht: Von der Idee sind sie alle hellauf begeistert. Wenn es ums Geld geht, werden dann doch viele knauserig. Jetzt soll die „Zeit“-Stiftung eine so genannte „Machbarkeitsstudie“ erstellen. Anfang April will der Arbeitskreis dann potenzielle Sponsoren zu einer Informationsveranstaltung einladen. Bis Herbst soll das Finanzierungskonzept stehen, bereits im nächsten Jahr könnte das Museum die ersten Besucher empfangen. Schon jetzt kommen „viele Sammler, die uns alte, zum Teil seltene Zeitungs- und Zeitschriftenbände anbieten“, sagt Grimm. Um das Material zu horten und mit dem Aufbau eines Archivs zu beginnen, wurde gerade ein Lagerraum gefunden.

Doch bald soll das Material öffentlich zu sehen sein. Zum Beispiel die Titelblätter und komplette Jahrgänge von großen Blättern wie „Spiegel“, „Stern“ und „Zeit“, aber auch von längst eingestellten Zeitschriften wie dem legendären „Twen“. Oder die ersten Farbausgaben von Magazinen, Fehldrucke und andere Kuriosa. In einer „Ahnentafel der Presse in Deutschland“ werden die Geschichten der großen Verlegerfamilien, der Augsteins, Jahrs oder Springers erzählt. Der Besucher soll sich auch über die Skandale und Affären in der Pressegeschichte informieren können. Da wird dann auch der Abdruck der Hitlertagebücher im „Stern“ nicht fehlen. Oder die (wegen eines Druckerstreiks damals) einzige anzeigenfreie „Stern“-Ausgabe. Oder vermeintlich tolle Techniken und Neuheiten, aus denen nie etwas wurde. Doch das soll nicht alles sein, was das Museum bietet: Es will nicht nur die Geschichte der Nachkriegspresse erzählen, sondern auch zu Vortragsveranstaltungen und Sonderausstellungen laden, Interessierten Zugang zu Datenbanken bieten, Pressetechniken erklären – und natürlich darf auch ein Presse-Café und ein Presse- Shop nicht fehlen. Eine große Rolle sollen Entwicklungen und Möglichkeiten in Gegenwart und Zukunft spielen. Schließlich wollen die Initiatoren nicht den Eindruck erwecken, die gedruckten Medien gehörten ins Museum. Ulrike Simon

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