Zeitung Heute : Das Bauamt im Test

Der Tagesspiegel

Matratzen, Notebooks, Babynahrung. Drei Artikel, die die Stiftung Warentest für ihre aktuelle Zeitschrift untersucht hat. Geht es nach dem Staatssekretär beim Wirtschaftssenator, Volkmar Strauch, dann könnte auf dem Titelbild einer künftigen „Test“-Ausgabe auch eine Zeile stehen wie „Die Berliner Bauämter – Nur zwei erreichen befriedigend“ (oder „gut“ oder „mangelhaft“, je nachdem).

1999, Strauch war noch bei der Industrie- und Handelskammer, ist diese Idee bereits aufgekommen: „Als eine Möglichkeit, die Effizienz des Verwaltungshandeln zu erhöhen.“ Die Innenverwaltung unterstütze den Vorschlag, und auch die Stiftung schien damals interessiert, sagt Strauch. Die Warentester – die ja regelmäßig auch Dienstleistungen testen –, könnten zum Beispiel identische Bauanträge bei verschiedenen Berliner Bezirksämtern einreichen und die Bearbeitungszeit messen. Weitere Kriterien könnten die Umgangsform der Beamten sein, wann Zwischenbescheide ergehen, welche Hilfestellung bei fehlerhaften oder unvollständigen Unterlagen gegeben wird. Die Stiftung sei geeignet als externe, neutrale und effektive Organisation, die mit dem Auge des „Kunden“ schaue.

Allein – bei der Stiftung Warentest stieß Strauchs Vorschlag am Montag eher auf Skepsis. „Jeder, der findet, dass eine Sache mal untersucht werden müsste, denkt an uns“, bemerkt der Pressesprecher Wolfgang Springborn leicht spöttisch. „Aber wir machen in der Regel keine Auftragsuntersuchungen.“ Eine bezahlte Tätigkeit für Dritte wäre mit der Gemeinnützigkeit des Stiftung auch nur schwer zu vereinbaren. Der Sprecher der Wirtschaftsverwaltung, Christoph Lang, glaubt gleichwohl, „wenn ein öffentliches Interesse an solch einer Untersuchung besteht, dann würden die das auch machen“. Tatsächlich hat „Test“ einmal deutsche Arbeitsämter miteinander verglichen. „Da ging es um die Freundlichkeit der Behandlung, die Bearbeitung der Unterlagen – ein Behördencheck aus Sicht der Bürger“, sagt Springborn.

„Aber was hätte Berlin davon, wenn unser Test ergibt, dass ein Amt in Regensburg soundsoviel schneller arbeitet als eins in Lichtenberg? Wir sind für ganz Deutschland zuständig.“ Vor allem: Was jener Arbeitsamts-Test nicht ermittelt konnte, waren die geschönten Statistiken und andere Missstände, die die Behörde jüngst in Verruf gebracht haben. „Die meisten Tests machen wir im ,Black-Box-Verfahren‘“, erklärt Springborn. Anders gesagt, um die Leistung eines „Schwarzen Kastens“ prüfen zu können, muss man nicht wissen, wie er im Einzelnen funktioniert. „Uns interessiert nur der Nutzen für den Verbraucher. Die Gründe, warum etwas läuft oder nicht läuft, sind dabei überhaupt nicht das Thema.“

Um genau diese Gründe aber müsse es dem Senat gehen, meint Springborn. „Was Not tut, ist aus seiner Sicht eine flächendeckende und intensive Einsichtnahme in die Arbeitsabläufe des jeweiligen Amtes. „Das können wir nicht leisten. Wir können bestenfalls eine ,Hitliste‘ aufstellen – aber viel wichtiger wäre es doch, die Arbeitsabläufe besser zu machen.“ Dazu müsste der Senat eine Unternehmensberatung beauftragen.

Strauch aber hält an der Idee vorerst fest: „Durch so einen Test bekäme man zumindest gute Hinweise, was man besser machen könnte.“ Nur eben nicht, wie man es besser macht. Holger Wild

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